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In der zwölften Stunde. 243
zu wachen. Und jetzt, in dieſen ſtillen, bangen Stunden, erhielt Benno die Beſtätigung deſſen, was er längſt geahnt hatte, und ſein ſonſt ſo fröhliches Herz wurde trauriger und immer trauriger, je länger ſein Auge in den gähnenden finſtern Abgrund hineinblickte, der ſich ſo plötzlich aufgethan und über dem einen Opfer, das er bereits ver⸗ ſchlungen, ſich keineswegs ſchließen zu wollen ſchien. Mrs. Durham war bei der Nachricht von dem entſetzlichen Ereigniß, das Benno ihr in den ſchonendſten Ausdrücken mittheilte, zuſammengezuckt, als ob ihre Hand ein glühendes Eiſen gefaßt hätte, aber ſie hatte mit keinem Zeichen die Schwäche ihres Geſchlechtes verrathen. Als der junge Mann von der Möglichkeit ſprach, daß Mr. Durham ſich durch Schwimmen gerettet habe, ſagte ſie im kurzen heiſeren Ton:„Nein, nein! er iſt todt, verlaſſen Sie ſich darauf! er iſt todt!“— Dann hatte ſie nach Spen gefragt, und als Benno ihr nicht verſchwieg, daß ſein Zuſtand leicht einen gefährlichen Ausgang nehmen könne, geſagt:„Laſſen Sie ihn nicht ſterben, oder laſſen Sie ihn auch ſterben, es iſt ja jetzt doch Alles gleich;“— und dazu hatte ſie gelächelt— ein furchtbares Lächeln, wie es Benno einmal von einer berühmten Schauſpielerin in der Rolle der Lady Makbeth geſehen hatte, und dann hatte ſie ihm mit der Hand gewinkt, daß er ſich entfernen möge.
Benno hatte nie zu den Bewunderern von Mrs. Durham gehört. Ihr düſtres, ſtolzes Weſen würde zu jeder Zeit ſeinem fröhlichen, lebensluſtigen Sinn mißfallen haben, und daß ſie ſeinen ſchwärmeriſchen Freund in ein Verhältniß verſtrickte, von dem Benno wenigſtens nichts Gutes prophezeite, konnte er ihr nun vollends nicht vergeben. Heute aber erſchien ſie ihm wie ein böſer Dämon, wie ein ſchöner Vampyr, deſſen eigentliches und einziges Geſchäft es iſt, Tod und Verderben rings um ſich her zu verbreiten. War es nicht mit dämoniſcher Ge⸗ walt über den unglücklichen Sven gekommen, ſo, vaß er alle ſeine Grundſätze, die ſchmerzlichen Erinnerungen ſeines Lebens vergaß, um ſich ohne Widerſtand dieſer zügelloſen unſeligen Leidenſchaft zu über⸗ laſſen, die ſeine Seele ſelbſt bis hierher, bis in die Vorhallen des Todes verfolgte? denn durch alle ſeine wilden Phantaſien ſchwebte immer das eine Bild der ſchönen hohen Frau. Er ſtand mit ihr am Bergeshang und ſchaute mit ihr hinein in die weite, ſonnige Welt,
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