In der zwölften Stunde.
für heute und für immer! Ich vermeg dieſe ſtumme Qual nicht länger zu ertragen. Ich liebe Dich mit aller Kraft meiner Seele. Ich könnte jeden Blutstropfen in meinen Adern für Dich hingeben; aber Dich leiden zu ſehen, ohne Dir helfen zu können— durch meine Anweſenheit vielleicht noch gar Dein Unglück vergrößern— das kann ich, das darf ich nicht. Leb' wohl, leb' wohl, für heute und für immer!“.
Er preßte ihre Hände noch einmal an ſeinen Mund und erhob ſich, um fortzugehen.
„Nein, nein!“ rief Cornelie, ſich ebenfalls erhebend und die Hände bittend nach ihm ausſtreckend;„nein! geh' nicht fort, Sven: Du biſt ja der Einzige, der mich lieb hat auf Erden— was ſoll aus mir werden, wenn auch Du mich verläßt!“
„Ich kann Dir hier nichts nützen; ich kann weiter nichts, als mich in der Qual, Dich unglücklich zu ſehen, verzehren. Und dies Gefühl iſt wie ein böſer Traum, wo man das Liebſte vor ſeinen Augen ertrinken ſieht und helfen will, und nicht von der Stelle kann. O, dies Dunkel, dies beängſtigende Dunkel! Für einen Augenblick, für einen Augenblick nur Allwiſſenheit!“
Spen ging in der größten Aufregung im Zimmer hin und her, mehr zu ſich, als zu der ſchönen Frau ſprechend.—
„Was wollen Sie wiſſen, Sven? ich will Ihnen Alles ſagen, was ich ſagen kann.“
Syen blieb vor ihr ſtehen und ſagte mit leiſer Stimme:
„Haſt Du Deinen Gatten je geliebt?“
„Ja.“
„Und— hat er Dich je geliebt?“
„Ich glaube, ja.“
„Und— liebſt Du ihn— liebſt Du ihn noch?“
„Ich liebe Dich.“
Es war kaum vernehmbar dieſes„Ich liebe Dich;“ aber es er⸗ ſchütterte Sven wie ein Donnerſchlag.
Er warf ſich der ſchönen Frau zu Füßen; er ergriff ihre Hände, um ſie mit Küſſen zu bedecken.
Sie ſuchte, ängſtlich faſt, ihn emporzuziehen.


