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44 Clara Vere.
Wiſſenſchaft Ihnen vorgeleuchtet, noch mir armen Irrlicht folgen mögen.“
„Ja,“ ſagte Lady Vere ruhig,—„ich wußte ſchon Manches; aber Alles wüſt und bunt durcheinander. Mußten doch in dem Chaos ſchon die Elemente liegen, ehe ſie das Wort des Schöpfers zu organi⸗ ſchen Gebilden band.“
„So hätte ich für die deutſche Welt, in der Sie ſich jetzt ſchon ſo heimiſch fühlen, das„Werde“ ausgeſprochen?“
„Ich weiß nicht, ob Ihr Unterricht methodiſcher iſt; aber das weiß ich, daß es ſich bei Ihnen beſſer lernt. Wenn Sie mir ein Gedicht leſen, verſtehe ich es auf der Stelle, es mochte mir vorher noch ſo dunkel ſein.“
Guter Georg! merkſt Du denn die Fäden des Netzes nicht, das man über Dich ausſpannt? aber die Götter haben gar wunderbare Gewehe, ſie ſind unzerreißbar, aber man ſieht ſie nicht. Lady Vere war in der kühlen Ruhe ihrer Leidenſchaftlichkeit einem wohlgeſchulten Fechter zu vergleichen. Glaubt ihr, er brenne nicht vor Begierde, den Gegner zu beſiegen, weil er nicht außer Athem kommt, weil er Tact hält und Maß, weil er die Sonne wohl beachtet? Glaubt ihr, daß ſeine Hiebe weniger gut gezielt ſind, weil ſie weniger raſſeln? und daß ſie nicht treffen, weil ſie nicht mit Ungeſtüm geführt werden?
Lady Vere konnte eine Schmeichelei ſagen mit der Würde einer Königin, die ihren treuen Vaſallen lobt; und das ſtumpfſte, gleich⸗ gältigſte Wort zum haarſcharfen, gefiederten Pfeil umſchaffen, wenn ſie es mit einem ihrer wunderbaren Blicke begleitete.
Es war faſt unmöglich, von dieſer beredten Sprache nicht er⸗ griffen zu werden, wie von dem Wohllaut der Chöre in den griechi⸗ ſchen Tragödien, deren Sinn auch der zu ahnen glaubt, der die
Worte nicht verſteht. Georg konnte ſich nicht ſatt ſehen an dieſen
Augen. Wenn ſie in einem Geſpräche über Kunſt und Poeſie ſo wunderbar aufflammten; wenn dann ein leiſes Roth über dies bleiche Geſicht ſpielte, wie das matte Frührothlicht eines Januarmorgens über ein Schneegefilde— er glaubte die Muſe vor ſich zu ſehen, die
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Homer anruft im Beginn ſeiner unſterblichen Lieder, bald das lieb⸗


