Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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32 Clara Vere.

Vers fortkommen und legte das Buch verdrießlich weg. Sie ſind ja in Deutſchland geweſen, Herr Allen! haben Sie die herrliche Sprache nicht erlernt, die mich immer durch ihren tiefen, vollen Klang wunder⸗ bar angezogen, aber auch durch ihre Herbheit und Sprödigkeit zurück⸗ geſchreckt hat?

Georg nahm das Buch. Es war ein's ſeiner liebſten Lieder, der herrliche Geſang Mignons, in dem Goethe ſeiner ſchwärmeriſchen Sehnſucht nach Italien einen ſo unendlich rührenden Ausdruck gegeben hat. Er überſetzte das Gedicht leicht und gewandt, wie man eben Gedichte einer fremden Sprache in die eigne aus dem Stegreif über⸗ tragen kann; und dann, um das arme, zerpflückte Lied wieder zu Ehreu zu bringen, las er es ihr im Original vor. Georg las gern, vielleicht weil er wußte, daß er gut las; er war ſo in ſeinen Vortrag vertieft, daß er den vielſagenden Blick nicht merkte, mit dem Lady Vere in das Geſicht des Leſers ſchaute. Ich fürchte, Ihre Güte zu mißbrauchen, Herr Allen, ſagte ſie, aber Sie wiſſen, man muß ſeine Kenntniſſe und Talente geheim halten, oder gewärtig ſein, daß die Menſchen ſie als gute Beute be⸗ trachten, auf die Jeder Anſprüche zu haben glaubt. Es iſt faſt grau⸗ ſam, wenn ich Sie bitte, mich als Schülerin im Deutſchen annehmen zu wollen, weil ich zum Voraus weiß, daß Sie einer Dame nicht leicht eine Bitte abſchlagen, auch wenn es Ihnen beſchwerlich iſt, ſie zu erfüllen.

Wenn ich in Ihnen eine ſo nachſichtige Schülerin finde, wie in Helene Locksley, erwiderte lächelnd Georg,an mir ſoll es nicht fehlen. Das Geſchäft des Lehrers iſt ſo leicht, wo er gern lehrt. Georg ſagte die letzten Worte, indem er an ſeine liebe Helene und das freundliche Zimmer im Förſterhauſe dachte. Er fühlte mit einiger Verwirrung, daß ſie ſich eben ſo gut auf Lady Vere beziehen ließen; und Lady Vere ſie kaum anders verſtehen konnte. Das

icht lieb. Er hatte, wie jeder gerade Mann, einen Abſcheu

Complimenten; auch nur in den Verdacht zu gerathen, wollen, war ihm ein Gräuel. Er nahm ſich vor, behut⸗