Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Clara Vere. 9

3 So ſprechend fing ſie an, den Tiſch abzuräumen, wobei ihr die alte Dienerin, die jetzt eintrat, half; Georg ſprang hinüber, ſeine 6 Schreibereien zu holen, und bald ſaßen die jungen Leute an dem großen eichenen Tiſche in der Wohnſtube einander gegenüber, Georg

mit ſeinen Rechnungen, Helene mit einer Handarbeit beſchäftigt. 8 War es die Wanduhr, die ihren einförmigen Schlag tickte; oder der Nachtwind, der draußen in den alten Buchen rauſchte; oder das Bellen der Hunde im Dorf, das durch die ſtille Nacht aus dem Thale herauftönte; oder der Duft der Nelken, der durch das vffene Fenſter ſtrömte, oder die Schwüle im Zimmer, was Georg am Arbeiten hinderte er legte bald die Feder aus der Hand, und das junge Mädchen, das von Zeit zu Zeit ſchweigend zu ihm hinblickte, ſah,

daß es nicht Rechnungen waren, was ihn beſchäftigte.

Iſt ſie ſchön, Georg? fragte Helene und ließ ihre Arbeit in den Schooß ſinken. Der junge Mann fuhr aus ſeiner Träumerei empor.Wer, Helene? fragte er verwirrt.Lady Vere, ſagte Helene lächelnd.Wenn ſchöne Augen auch weiter keinen Schaden bringen, ſo hindern ſie doch am Arbeiten, wie ich merke.

Dann könnten Ihre Augen ſo gut die Wirkung haben, als die Lady Vere's; erwiederte Georg, ſich zu ihr hinüberbeugend und ſie freundlich anſehend.

Helene ſchüttelte den Kopf.Nein, nein Georg, ſagte ſie. Meine Augen haben Sie noch nie am Arbeiten oder Eſſen und Trinken, oder wozu Sie ſonſt Luſt hatten, gehindert. Sind Sie auf dem Schloſſe geweſen? Wie kommt es, daß Lord Vere ſchon heute gekommen iſt, da er doch erſt nächſten Monat kommen wollte? Wo haben Sie Lady Vere geſehen? Was iſt das für ein Abenteuer, von dem Sie vorhin ſprachen?

Heißt das Ihr Verſprechen halten? fragte Georg lächelnd. Glauben Sie, daß ich Cäſar bin, und Rechnungen revidiren und Fragen beantworten kann zu einer Zeit?

Hätten Sie mir hübſch erzählt, Georg, aus freien Stücken, wie es Ihre Schuldigkeit war, ſo würde ich Sie nicht mit Fragen zu beläſtigen brauchen.

Sein Sie nicht bös, Helene; ſagte der junge Mann aufſtehend,