Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Clara Vere.

Du weißt nicht, was Du ſprichſt; ſagte die Alte.

Wenn die Lüge ungeſtraft lügen will, bindet ſie die Schönheit als Maske vor, dann laufen die armen Menſchen ſicher in's Garn. Wen haſt Du geſehen, Georg?

Lady Clara Vere de Vere, Mutter; antwortete der Jäger.

Sie ließ ſeine Hand fahren; ſchweigend ging ſie zum Tiſch, klappte leiſe die Bibel zu, nahm ſie und eins der beiden Lichter, die auf dem Tiſche brannten, und ging an den erſtaunten jungen Leuten vorbei ſchweigend zur Thür; winkte dem jungen Mädchen, das mit klopfendem Herzen dageſtanden hatte, und ihr jetzt folgen wollte, zu bleiben und ging hinaus.

Was heißt das? Helene, fragte Georg,was hat nur die Mutter?

Warum nannten Sie den unglücklichen Namen! ſagte Helene faſt weinenddie gute Mutter! Es iſt heute der erſte Auguſt, Lorenz' Todestag. Gerade an dem Tage reiſte Lady Clara vor vier Jahren mit ihrem Vater von hier fort; jetzt bringt derſelbe Tag ſie wieder und mit ihr die Erinnerung an jene trübe Zeit. Sein Sie nicht traurig! fuhr das junge Mädchen fort, als Georg mit düſterm Blicke vor ſich niederſchaute,der Tag iſt heute ſchon trüb genug, das Herz mir ſchon ſchwer genug geweſen. Was kann denn Lady Clara zu des armen Lorenz' Tod? Wie konnten Sie wiſſen, daß ſich für die Mutter mit ihrem Namen ſo ſchmerzliche Erinnerungen ver⸗ binden? Kommen Sie, Sie müſſen rechtſchaffen hungrig ſein; ich will Ihnen Ihr Abendbrod beſorgen.

Laſſen Sie nur, Helene; ſagte Georg,ich bin nicht hungrig. Ich will auf mein Zimmer und arbeiten. Lord Vere's unerwartete Ankunft iſt mir gerade jetzt unbequem, wo die Rechnungen über die neuen Arbeiten noch nicht abgeſchloſſen ſind.

Bleiben Sie hier, Georg; bat das Mädchen,ich will Ihnen Ihre Papiere holen; ſind es die, in denen Sie heute Morgen ſchrieben? Ich will ſo ſtill ſein und Sie gewiß nicht ſtören! Lachen Sie nicht! Ich weiß nicht, was mich heute Abend ängſtigt. Zur Mutter darf ich nicht; und die alte Barbara iſt eine ſo traurige Geſellſchaft mit ihrem Spinnrade und ihrem nickenden Kopfe.