Clara Vere.
Mutter und Tochter in jenem Hauſe, auf dem Hügel über die Tannen ſchimmern ſehn, und hier“— ſagte er, indem ſie eben aus dem Walde heraustraten,„und hier, gerade vor uns, liegt Schloß Vere.“ Die mit Wald bewachſenen Hügel, auf deren Höhe ſie ſich bis jetzt gehalten hatten, zogen ſich von der Stelle aus, wo ſie ſtanden, rechts und links in Hufeiſenform auseinander, und ließen zwiſchen ſich ein allmälig ſich erweiterndes und zugleich abfallendes Thal, das reizende Park⸗ und Gartenanlagen ausfüllten, und an deſſen Fuße, da, wo es in die eigentliche Ebene überging, das alte Schloß, ſchon in Abendgrau gehüllt, lag, nur daß ein kleines Fenſter im Thurme noch in dem letzten Scheine der Sonne funkelte. Ueber das Schloß hinaus ſah man in eine reiche Landſ aft hinein, voll Weiler und Dörfer, durch die ſich ein Flüßchen deſſen Lauf Weiden und Buſchwerk deutlich genug bezeichn bis ganz im Hintergrunde das Bild von einer Kette blauer Hügel wieder abgeſchloſſen und eingerahmt wurde.— „Ich will Sie nicht weiter bemühen, Herr Allen!“ ſagte Lady Vere; „der Weg durch den Park iſt wohl nicht zu verfehlen. Hoffentlich ſehen wir uns bald auf dem Schloſſe. Auf Wiederſehen alſo— und Dank für Ihre Güte!“— und ſich vor dem Jäger höflich ver⸗ neigend, und ihn noch einmal mit ihren dunklen Augen voll anſehend,
hieb ſie leicht das Pferd mit der Gerte, und ſprengte auf dem Wieſen⸗
pfade dem Schloſſe zu.
Zweites Capitel.
War es das Bild des ſchönen Mädchens, das ihn an dieſe Stelle bannte, war es das Heer von Gedanken, das dieſe Erſcheinung in ihm aufregte— der junge Mann ſtand noch lange Zeit auf dem⸗ ſelben Platze; er ſtand noch, als ſchon lange die Reiterin in dem
deſſen Dach Sie dort rechts
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