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Clara Vere. 5
haben, daß ſie es mit einem gebildeten Manne zu thun habe, und daß dies der Mann ſei, von dem ſie ein gut Theil mehr gehört hatte, als ſie ſich merken ließ, den ſie kennen zu lernen ſo begierig geweſen war: der Zögling und Freund des alten wunderlichen Lord Vere.
Sie waren durch ein Stück Waldland an eine zweite kleinere Wieſe gekommen, die ein breiter, jetzt trockener Graben beinahe von einem Ende bis zum andern durchſchnitt, und der Jäger wollte eben um ihn herumlenken, als die Reiterin ihr Pferd mit den Worten: „wozu der Umweg!“ in Galopp ſetzte, das Hinderniß zu überwinden. Aber ſchien dem ermüdeten Thiere der Graben zu breit, oder war es gegen die willkürliche Behandlung, die ihm heute zu Theil geworden war, erzürnt, es ſtemmte die Vorderhufe feſt auf den Grabenbord, und wever die Gerte, noch der Zuruf der Reiterin konnten es bewegen, den Sprung zu wagen.
Der junge Mann ſah dieſem Schauſpiele lächelnd zu; es entging ihm die helle Röthe nicht, die in dem blaſſen Geſicht ſeiner Begleiterin aufflammte, und die ihren Aerger über dieſe unverhoffte Widerſpen⸗ ſtigkeit deutlich genug verrieth.
„Sie halten den Zügel zu ſtraff, Mylady!“ ſagte er,„Sie müſſen dem Pferde mehr Freiheit laſſen. Schäme dich, edles Thier! ein ſo winziger Graben,— ich will dir Muth machen“— und ſich mit Leichtigkeit hinüberſchwingend, ſah er von der andern Seite heraus⸗ fordernd und keck die Dame an.
Ob dieſe den Rath des Jägers befolgte, oder ob das Pferd ſich eines beſſern beſonnen, und ihm die Möglichkeit, hinüberzufommen, klar ward,— es ſprang jetzt leicht und ſicher, und die Beiden ſetzten ihren Weg eine Zeitlang ſchweigend fort.
„Ich erinnere mich, in jener Zeit hier ein ſchönes blondes Mädchen geſehen zu haben;“ fing Lady Vere wieder an—„war es nicht Herrn Locksley's Tochter?“
„Wohl möglich!“ erwiederte der Jäger lachend,„Helene Locksley
iſt blond und ſchön.— Sie hatte noch einen Bruder; er ſtarb nicht lange nach unſerer Abreiſe— doch das iſt eine traurige Geſchichte“— fuhr er ernſter fort.—„Die Mutter iſt über den gewaltſamen Tod
von Gatte und Sohn in tiefe Schwermuth verſunken; ich lebe mit


