Auf der Düne. 191
erhaben ſein. Und das ſage ich nicht, wie ein ſtarrköpfiger Indianer in den Todesqualen zum Hohn ſeiner Peiniger ſein Kriegslied an⸗ ſtimmt, ſondern aus tiefinnigſter Ueberzeugung, ohne Stolz, Mißgunſt oder Haß. Und ich ſage es jetzt, da Hedda unwiderruflich einem Anderen gehört, Hedda, deren Bild mich allüberall umſchwebt, Hedda, die ich geliebt habe und liebe, wie ich nie ein Weib liebte oder lieben werde.—
Und Du, arme Clementine! Mußteſt Du ſo ſchwer büßen, ſchönes, reiches Herz, für eine Schuld, die nur ein Fehler Deiner Erziehung, ein Mangel Deiner Natur war, die Dir, wie Moſen, die geſchmeidige Zunge verſagte, mit der die Aaronskinder dieſer Welt die verworrenen Händel des Lebens leicht und ſicher ſchlichten!— Mußteſt Du mit Deinem Herzblute es bezahlen, mein braver Guſtav, daß Du einen Augenblick an Deiner Gattin zweifeln konnteſt; daß es Dir weniger an dem Muth, als an der Einſicht gebrach, die zum ſchnellen, thatkräftigen Handeln erforderlich iſt; daß Du, wie ein edles, träges Wild, Dich von den ſchadenfrohen Mächten rings um⸗ garnen ließeſt, bis Dich zuletzt ein feiger Bube gemächlich nieder⸗ ſchießen konnte! Sieh Franz, wenn ich das bedenke, möchte ich ſagen: das Leben iſt eine ſchale Komödie, wo die Guten und Evlen verhöhnt werden, und die Narren und Schurken frei ausgehen; und doch wie⸗ der, wenn ich es recht bedenke, beuge ich mich in Demuth vor der hohen Majeſtät der Geſetze, die das Menſchenleben beherrſchen. Sie ſind, wie die des Dracon, mit Blut geſchrieben, und kennen kein Erbarmen, und ſtrafen mit gleicher Strafe die erſte, ſtammelnde Lüge, wie den frechen, wohlüberlegten Meineid. Aber als ob es ihm genügte, ſeine unnahbare Hoheit dann und wann und hie und da an fürchterlichen Exempeln zu offenbaren, ſo wetterleuchtet das Geſchick für die Einen, und ſendet in die Hütte der Andern den vernichtenden Strahl. Als Hedda ſich neben Guſtav's noch nicht erkalteter Leiche ihrem Geliebten in die Arme warf, wie ein ſturmgequältes Schifflein ſich in den rettenden Hafen flüchtet— da durchzuckte mich der Ge⸗ danke: auch für Euch iſt er geſtorben; ſein Tod beſiegelt Euer Glück. — Erwächſt ja doch überall aus Tod und Moder und Verweſung das blühende, thaufriſche, duftige Leben!— Und Hedda iſt ſeit dem


