188 Auf der Düne.
ich todt ſchießen; zwar er iſt mir im Grunde genommen gleichgültig, aber ſeine Frau Gemahlin hat mich zu ſchändlich beleidigt.“
„Du biſt in einer verteufelten Stimmung;“ ſagte der Gutsbeſitzer.
„Deſto beſſer,“ meinte Herr von Elze, und nahm die Piſtole.
Die Duellanten ſtanden auf ihren Plätzen. Die Secundauten waren auf die Seite getreten. Gerhardt gab das Zeichen.
Guſtav feuerte ſogleich vom Flatze aus. Herrn von Elze flog die Mütze vom Kopfe; man hörte die Kugel hinter ihm in einen Tannenſtamm ſchlagen.
Herr von Elze lächelte ſpöttiſch.
Guſtav ließ die Piſtole ſinken, und kam ruhig auf die Barriere zugeſchritten. Er hatte ſie aber noch nicht erreicht, als ſein Gegner ſchoß. Guſtav ſtürzte vornüber zu Boden. Man hob ihn auf, und
legte ihn auf einen der breiten, moosbekleideten Steine.— Doctor Deus unterſuchte die Wunde. Die Kugel war durch die rechte Bruſt geſchlagen.
„Er hat keine Viertelſtunde mehr zu leben,“ ſagte Doctor Deus, von ſeinem traurigen Werke aufſchauend, zu den Andern.
Da ſtand plötzlich Clementine unter ihnen. Niemand hatte ſie kommen ſehen. Herr von Elze trat erſchrocken zurück. Aber ſie ſah ihn nicht, ſie ſah auch Niemanden ſonſt. Ihre ſtarren Augen hafteten auf dem bleichen Geſicht ihres Gatten; ſie war an ſeiner Seite in die Knie geſunken, ſie hatte ſeine herabhängende Hand ergriffen.
„Todt, todt!“ ſagte ſie mit erſtickter Stimme.
Der Sterbende ſchlug noch einmal die Augen auf, und ſah durch den Flor, womit der nahe Tod ſie ſchon verhüllte, ſeiner Gattin Antlitz ſich auf ihn niederbeugen. Ein ſeliges Lächeln flog über ſeine Züge. Er bewegte die Lippen, wie wenn er ihren Namen ausſprechen wollte, aber kein Laut kam über die blaſſen Lippen. Dann neigte er das Haupt auf die Seite— zum ewigen Schlaf.
„Todt, todt!“ ſtöhnte Clementine, und ſchlang die Arme um ihn, und verbarg ihr Geſicht an der Bruſt des Mannes, deſſen edles Herz nur für ſie geſchlagen hatte, und jetzt ſtille ſtand für immer.
„Verdammt!“ murmelte Herr von Elze, der ſelbſt jetzt noch wie


