Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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186 Auf der Düne.

Wenn Sie es nicht wüßten, würde ich geſchwiegen haben; aber weil der Eine in dem Herzen des Andern liest, weil wir wiſſen, daß wir Beide Hedda lieben, dürfen wir, müſſen wir ſprechen. Und ich fürchte nicht, das Geheimniß eines Mädchenherzens zu profaniren, da dieſes Mädchen viel zu edel denkt, als daß nicht, dies Geheimniß Ihnen mitzutheilen, das Erſte wäre, was ſie thun würde, ſobald ſich ihr Herz für Sie entſcheidet. Ich liebe Hedda ſeit zwei Jahren, ſeitdem ich ſie zuerſt in S. kennen lernte; damals ſchien auch ſie mich zu lieben, nein das iſt Ziererei damals liebte ſie mich. Aber die Himmel wandern, und die Gedanken der Menſchen bleiben nicht dieſelben. Das wußte ich damals, wie ich es jetzt weiß. Des⸗ halb band ich die Geliebte durch kein Verſprechen irgend einer Art, ſie ſollte frei ſein, und frei ihre Wahl prüfen dürfen. Denn das einzige Mittel, der Schwäche und dem Wankelmuth unſrer Naturen zu begegnen, beſteht meiner Meinung nach darin, daß wir mit Bedacht wählen, aber, haben wir uns einmal feſt entſchieden, auch feſt aus⸗ harren bis an's Ende. Auch für mich beanſpruchte ich dieſelbe Frei⸗ heit, obſchon ich recht gut wußte, daß ich nun und nimmer davon Gebrauch machen könnte. Ich bin zurückgekommen und liebe Hedda glühender, wie je; aber Hedda

Iſt dieſelbe geblieben, unterbrach ihn Paul;trauen Sie mei⸗ nem Scharfblick. Vielleicht hat ſie einen Augenblick geſchwankt, aber jetzt iſt ſie entſchieden, und die junge Freundſchaft hat, wie billig, der alten Liebe nachſtehen müſſen. Das weiß ich, und habe meinen Ent⸗ ſchluß gefaßt. Ich reiſe morgen, wenn der Ausgang des Duells es möglich macht. Auf jeden Fall iſt es mit meiner Nebenbuhlerſchaft zu Ende.

Und wenn ſich Hedda nun doch für Sie entſchiede?

Sie wird es nicht, thäte ſie es, ſo bin ich überzeugt, daß Sie

zurücktreten würden, wie ich jetzt zurücktrete.

Und im andern Falle? Wird Ihnen das Leben dann noch lebenswerth erſcheinen?

Wenn ich darauf mit Nein antworte, ſagte Paul mit traurigem Lächeln,ſo wird mein Verſtand mich Lügen ſtrafen, antworte ich mit Ja, ſo thut es mein Herz.