Auf der Düne. 185
der weſtlichen Seite waren die Kuppen der Bäume röthlich angeſtrahlt, ſonſt lag noch überall kühler Schatten. Um einen der Steine ſah man die Spuren jenes abendlichen Banketts— Papierſtückchen— eine leere Flaſche.
„Ich wollte, ich hätte euch damals begleitet,“ ſagte Guſtav zu Paul.
Er ſagte das flüſternd. Jeder flüſterte; auf dem wunderbaren Platze widerhallte ein lauter geſprochenes Wort wie in einer Kirche.
Als die Secundanten an ihr Werk ſchreiten wollten, erhob ſich ein unvorhergeſehenes Hinderniß. Doctor Deus, der das zweite Paar Piſtolen mitzubringen verſprochen hatte— Gerhardt's Piſtolen waren für die Duellanten beſtimmt— hatte ſie bei der etwas über⸗ eilten Abfahrt vom Neptun in ſeiner Cajüte liegen laſſen. Herr von Sanzen ſchlug vor, einen der Leute nach ſeinem Hauſe zu ſenden, um ſeine Piſtolen zu holen. Der Mann konnte in einer Viertelſtunde zurück ſein. Paul war es zufrieden und Herr von Sanzen ging ſelbſt nach dem Strande hinab, gab einem ſeiner Leute einen Zettel an ſeinen Verwalter und hieß ihn eilen.
Die Zurückkunft des Boten erwartend, ging man neben den Hünengräbern auf und ab. Der Platz war groß genug, daß man ſich mit Bequemlichkeit ausweichen konnte. Herr von Elze ſprach an dem einen Ende mit dem Gutsbeſitzer; Guſtav hatte den Doctor Deus bei Seite gezogen, und ſchien ihm eine Sache von großer Wichtigkeit mitzutheilen, denn er redete lange und angelegentlich mit ihm. Unterdeſſen trat Gerhardt auf Paul zu, der mit untergeſchlage⸗ nen Armen an einem Baum lehnte, und ſprach:„Es geziemt mir nicht, in die verborgene Urſache des unſeligen Zwiſtes zu dringen, der uns Alle hierher gebracht hat; aber es hat mir viel zu denken gegeben, wie zwei, dem Anſcheine nach ſo verſtändige Männer es ſo weit kommen laſſen konnten, daß jetzt nothwendig die Waffen zwiſchen ihnen entſcheiden müſſen. Und das hat einen Wunſch, den ich ſchon von dem erſten Tage, von der erſten Stunde könnte ich ſagen, meines Hierſeins gehegt habe, vermehrt, über eine Angelegenheit mit Ihnen zu ſprechen, die ich wohl füglich die unſre nennen kann.“
„Ich denke, ich weiß, was Sie mir ſagen wollen.“


