184 Auf der Düne.
der Luſt einer Wettfahrt hingab, ſaßen Clementine und Hedda, ſchweren Herzens, dicht nebeneinander vorn im Boot. Hedda hielt die eine Hand der Freundin zwiſchen ihren Händen, ſah angſtvoll in ihre ſtarren, thränenloſen Augen und ſuchte ihr leiſe Muth und Troſt zuzuſprechen, an denen es ihr ſelbſt gebrach. In dieſen wenigen ſchrecklichen Minuten hatten ſich die Freundinnen Alles mitgetheilt, was ſie monate⸗— jahrelang vor einander verborgen gehalten hatten.
„Wären wir ſtets offener geweſen,“ ſagte Clementine,„es wäre nie ſo weit gekommen! Wenn Guſtav fällt, ſo bin ich ſeine Mörderin.“
„O ſag' das nicht!“ weinte Hedda,„ich bin viel, viel ſchuldiger wie Du.“
„Da gehen ſie ſchon vor Anker,“ rief der Lootſencommandeur, „und wir ſind noch eine Meile zurück.“
„So iſt alle Hoffnung verloren,“ ſagte Clementine ſtarren Blicks, während Hedda ihr Geſicht mit den Händen bedeckte und bitterlich weinte.
Einunddreißigſtes Capitel.
Die drei Boote landeten kurz nach einander an dem kieſelbedeckten Strande unter dem hohen Ufer. Das Boot vom Neptun war das erſte geweſen, und ſeine Matroſen riefen den andern ein ſpöttiſches Hurrah entgegen. Niemand achtete des Bootes, das ihnen folgte, um ſo weniger, als es gerade jetzt, um beſſer in den Wind zu kommen, in einer andern Richtung ſegelte. Die Herren begrüßten ſich ernſt, erſtiegen die Uferhöhe und gelangten bald durch den Wald nach den Hünengräbern. Der Platz war an dieſem Morgen ſo ſtill und ſchauer⸗ lich, wie an jenem Abend, wo Paul ihn zum erſten Male unter ſo andern Verhältniſſen betrat. Er erinnerte ſich ſeufzend der bangen Ahnungen, die ihm damals die ſchönen Stunden verdüſtert hatten. In den Wipfeln der hohen Tannen rauſchte der Morgenwind; auf


