172 Auf der Düne.
Gehirn; und ſo ſollte denn Paul's Prophezeihung, daß dieſen beiden Menſchen das rechte Wort zur rechten Zeit fehlen würde, in Erfül⸗ lung gehen.
Vielleicht hätte Paul's Gewandtheit den Knoten, der ſich feſter und feſter zuſammenzog, noch glücklich gelöſt; aber er war gerade jetzt zu ſehr mit ſich ſelbſt und mit dem, was ihn perſönlich berührte, beſchäftigt, daß für dieſes eine Mal auf ihn nicht zu zählen war. Jener Brief war ihm ſehr gelegen gekommen, um ſeine ſchleunige Abreiſe zu motiviren, und er zog Guſtav bei Seite, um ihn zu fragen, ob er nicht vielleicht ſchon morgen ein Boot nach der Stadt ſchicke? „Willſt Du fort?“ fragte Guſtav.„Ja.“„Warum?“„Ich ſage es Dir gelegentlich.“„Bleibe nur noch ein paar Tage.“„Weshalb?“ „Ich bitte Dich, bleib! Ich ſage Dir heute noch, ſpäteſtens morgen, weshalb ich es wünſche.“„Haſt Du mit Deiner Frau geſprochen, Guſtav?“„Noch nicht.“„Thue es doch; ich möchte ſo gern, daß zwiſchen Euch Alles klar wird, bevor ich abreiſe.“„O,“ ſagte Guſtav ruhig,„verlaſſe Dich darauf, es ſoll Alles zwiſchen uns klar werden.“ „Gut, gut;“ ſagte Paul.
Aber er hörte kaum, was Guſtav ſagte, denn ſeine Aufmerkſam⸗ keit wurde von einer kleinen Scene in Anſpruch genommen, die im Muſchelgarten vor ſich ging, und die er durch das Fenſter, an welchem ſie ſtanden, beobachten konnte.
Hedda war herausgetreten, um ihre Blumen zu begießen. Ger⸗ hardt ſah ihr, in der offnen Thür ſtehend, zu; und als ſie am äußer⸗ ſten Ende des Gärtchens war, ſprang er die Stufen hinab, und trat dicht vor das erröthende Mädchen.
„Hedda,“ ſagte er leiſe und ſchnell,„ich reiſe übermorgen.“
Hedda fuhr, ohne zu antworten, fort, ihre Blumen zu begießen.
„Ich kann nicht reiſen, ohne zu wiſſen, ob Du noch meine Hedda biſt. Daß ich Dich liebe und ewig lieben werde, weißt Du. Nein, antworte nicht, jetzt nicht,“ fagte er, als ſie den Kopf erhob, und reden zu wollen ſchien.„Ich komme morgen, Deine Antwort zu holen. Und fürchte nicht, mich durch ein Nein zu beleidigen. Einem Manne wie Paul nachgeſetzt zu werden, iſt keine Schande.“
Damit wandte er ſich ſchnell um, und ging in den Saal zurück.


