Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 171

und Jedermann weiß, daß die köſtlichen Früchte dieſes unſchätzbaren Baumes im Anfang bitter ſchmecken. Die traumgleiche Idylle ſeines Inſellebens war zu Ende. Er hatte durch Hedda's übermüthiges Spiel hindurch klarer in ihrer Seele geleſen, als vielleicht ſie ſelbſt. Mancher Blick, den er aufgefangen, manches flüchtige Wort, das für Andere unverſtändlich, für ihn aber bedeutungsvoll war, hatten ihm keinen Zweifel mehr darüber gelaſſen, daß das ſeltſame Mädchen mit der ganzen Gluth ihres leidenſchaftlichen Herzens den ſchönen See⸗ offizier liebe, und nur aus Stolz oder Caprice dieſe Liebe verleugne.

In dir, dachte er weiter, ſieht ſie nur einen Ebenbürtigen ihres Geiſtes,

und darum hält ſie dich hoch und theuer. Das mag in jenen Sphä⸗ ren, wo aller Erdenreſt von uns genommen iſt, genügen; aber für die irdiſche Liebe reicht es nicht aus. Es mag ihr ſchwer werden, dich fortzuſchicken, hauptſächlich wohl deshalb, weil ſie dich nicht kränken will; aber entſagen muß ſie einmal, und ſchließlich wird ſie den mit leichterem Herzen ſcheiden ſehen, dem von ihr zu ſcheiden am wenig⸗ ſten ſchwer fällt. Und das biſt doch du oder hätteſt du wirklich deinen Spinoza ohne allen Nutzen geleſen?

Gegen Abend kam Guſtav. Er war ſo bleich und, trotzdem daß er ſich zwang, heiter zu erſcheinen, ſo verſtört, daß Clementine ſogleich ausrief:Du biſt gewiß krank, Guſtav?Ich? ſagte er gleichgültig, ich habe mich nie wohler befunden. Er fragte nach ſeinem kleinen Paul. Das Mädchen brachte ihn. Er nahm das Kind auf den Arm, aber es fing an zu ſchreien, und ſtreckte die Aermchen nach Gerhardt, ſeinem Lieblinge, aus, der daneben ſtand.Da nehmen Sie's! ſagte Guſtav, und reichte es ihm und ſah ſchweigend zu, wie es ſich ſogleich beruhigte und lachend mit des Lieutenants goldnen Epauletten zu ſpielen begann. Dann wandte er ſich, heimlich ſeufzend, ab.Mutter und Kind! ſprach er bei ſich.Es iſt doch hart, für alle Liebe nur mit Gleichgültigkeit oder Haß belohnt zu werden. Clementine bemerkte wohl den düſtern Unmuth, den ihr Gatte hinter der Maske

geſellſchaftlicher Fröhlichkeit zu verbergen ſuchte. Mehr als einmal

ſchwebte es ihr auf den Lippen:Guſtav, komm, ich habe Dir etwas zu ſagen; aber Stolz und Befangenheit hinderten ſie, es auszuſprechen. Ihr Herz wurde ſchwer und ſchwerer, es legte ſich wie Blei auf ihr