Auf der Düne.
das Licht der Welt erblickt, und Gott es leben läßt, ſo will ich ſelbſt für ſeine Pflege und Erziehung Sorge tragen. Ich bitte Sie, ja, ich ver⸗ lange von Ihnen, daß Sie mir hierin keine Hinderniſſe in den Weg legen. Ich würde dieſe Anſprüche nicht machen, wenn ich nicht überzengt wäre, daß ſo am beſten für das kleine Weſen geſorgt wird. Ich ver⸗ ſpreche Ihnen, ich will thun, was in meinen Kräften ſteht, daß ein Vater ſich dieſes Kindes nicht zu ſchämen hat. Denken Sie ſelbſt daran, daß Sie ihm einſt unter die Augen treten werden, und daß es einem Vater ſchlecht anſteht, vor ſeinem Kinde zu erröthen. Und nun, da wir bei der Wohnung angekommen ſind, leben Sie wohl! Sie werden ſo bald wie möglich reiſen, und dies muß unſre letzte Unter⸗ redung ſein. Ich danke Ihnen für die vielen kleinen und großen Gefälligkeiten, die Sie mir während Ihres Aufenthalts hier erwieſen haben, und wenn Ihnen wirklich, wie Sie ſo oft behaupteten, an meiner Achtung etwas liegt, zeigen Sie es von jetzt an durch die That. Leben Sie wohl!“
Bei dieſen Worten trat ſie raſch in's Haus, und zog die Thür hinter ſich zu. Herr von Elze ſtand noch einige Augenblicke da, dann ging er, den Kopf geſenkt, die Hände auf dem Rücken, langſam fort.
Er war ſo in ſeine, jedenfalls wenig tröſtlichen Gedanken ver⸗ tieft, daß er den leiſen Schritt nicht hörte, mit welchem ihm ein Mann, der in dem tiefen Schatten eines der kleinen Gebäude, die den Hof umſchloſſen, geſtanden hatte— denn Clementine war durch die Hofthür eingetreten— folgte. Auf der offnen Strecke zwiſchen dem Hauſe und den Dünen blieb der Mann in demſelben Abſtande hinter ihm. Als Herr von Elze aber an dem Hügel, auf welchem das Wachthäuschen lag, vorüber war, beſchleunigte jener ſeine Schritte, und hatte ihn beinahe erreicht, als Herr von Elze ſeinerſeits den Lootſen einholte, in deſſen Hauſe er wohnte, und der eben von der Wache zurückkam.„Sind Sie es, Bonſak?“ ſagte Herr von Elze. „Guten Abend, Herr Lieutenant,“ antwortete der Lvotſe,„woher noch ſo ſpät?“ und ſie gingen zuſammen weiter.„Nun denn,“ ſagte der Mann, ſtehen bleibend, und den im Dunkel verſchwindenden Geſtalten nachſchauend,„ſo müſſen wir unfre Rechnung zu einer gelegeneren Zeit abmachen, mein Herr von Elze.“


