Auf der Düne. 147
von Elze hatte nie verſchwiegen, ja oft gefliſſentlich durchblicken laſſen, daß die Frauen in ſeinem Leben von jeher eine große Rolle geſpielt; und Clementine hatte das immer zu entſchuldigen gewußt. Jetzt, da ſie ſich perſönlich beleidigt fühlte, war ihre Langmuth zu Ende. So capriciss kann die Moral nur durch die Liebe werden. Aber in jedem Falle würde Clementine die Perfidie, die ſich Herr von Elze in dem ganzen Verhältniſſe hatte zu Schulden kommen laſſen, verdammt haben. Wohl wiſſend, daß Vornehmheit keine gute Empfehlung in den Augen einer armen Lootſentochter iſt, war er ihr gegenüber nur immer als der ſchlecht beſoldete Steuerbeamte aufgetreten, der nicht die mindeſte Ausſicht habe, jemals wieder vom Nedur fortzukommen. Ohne ihr geradezu die Ehe zu verſprechen, hatte er doch ihre Be⸗ ſorgniſſe in dieſem Punkte vollſtändig einzuwiegen verſtanden, und durch affectirte Treuherzigkeit und indem er dann wieder einmal ſeine geiſtige Ueberlegenheit herauskehrte, ihr Vertrauen ſo ganz gewonnen, daß ſie das Verſprechen der tiefſten Verſchwiegenheit ſchwerlich ge⸗ brochen haben würde, wenn Herr von Elze ſich die Mühe genommen hätte, ſie von ſeiner Reiſe zu unterrichten. So aber, allein und ver⸗ laſſen, wie ſie ſich glaubte; dazu geängſtigt durch die Gewißheit, die ſie ſeit einiger Zeit hatte, daß ſie die Frucht ihres ſträflichen Umgangs mit dem fremden Manne unter dem Herzen trage, hatte ſie in ihrer kindiſchen Furcht vor dem Gewitter, das ſie diesmal als eine Strafe des Himmels anſah, Clementinen ein Geſtändniß ihrer Schuld abgelegt.
„Und dieſen Mann,“ dachte jetzt Clementine,„konnteſt du ſo hoch achten, daß du, um ihn glücklich zu wiſſen, beinahe ſchon zu jedem Opfer bereit warſt. Die Liebe dieſes Mannes konnte dich ſo ſtolz machen, daß Du nicht ohne Kampf ſeine Anträge zurückzuweiſen ver⸗ mochteſt! Wodurch bin ich denn in den Augen des Allwiſſenden von jenem armen Mädchen unterſchieden? Daß ſie gefallen iſt, wo ich nur ſtrauchelte. Sie, ſo jung, ſo kindiſch⸗eitel, ſo unerfahren, ſo einſam, ohne Mutter, Brüder und Schweſtern, und ich— o Gott, jetzt ſehe ich deutlich, weshalb Guſtav ſo fremd, ſo kalt gegen mich iſt! Ach, wäre er nur ſtets liebevoller geweſen; hätte er mich, anſtatt
ſtolz zu ſchweigen, nur einmal freundlich gewarnt, es wäre nie ſo 10*


