Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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148 Auf der Düne.

weit gekommen. Und ſoll ich ihm jetzt geſtehen: du hatteſt Recht, der Mann, den ich meinen Freund nannte, iſt ein Unwürdiger? O Gott, kann ſich denn das Menſchenherz ſo irren? ſind wir denn ſo die Sklaven unſrer Sinne!“ und die keuſche junge Frau verbarg ihr Geſicht in den Händen und weinte bitterlich.

Da richtete ſich Hedda vom Lager empor, blickte, mit der Hand über die Stirn ſtreichend, um ſich, und als ſie die Freundin ſo ſchmerzlich weinen ſah, rief ſie entſetzt:„Sind ſie todt? Beide todt?“

„Wer denn, Hedda?“ ſagte Clementine, ſchnell ſich faſſend.

„Mein Vater und er!“

„Dein Vater und Paul? beſinne Dich doch! Paul iſt ja gar nicht mitgefahren und Dein Vater hat wohl ſchon größere Gefahren glücklich beſtanden.“

„Wie lange habe ich denn hier gelegen?“ fragte Hedda verwirrt.

„Höchſtens eine Viertelſtunde.“

„O, dann kann ja auch noch Alles gut werden!“ rief Hedda aufſpringend.„Komm, Clementine, komm!“ Und ſie eilte ſo ſchnell aus dem Zimmer, die Treppe hinab, nach dem Gartenſaal, daß Clementine ihr kaum folgen konnte.

Als ſie eintraten, kam Paul durch die Glasthür hereingeſtürmt. Seine Kleider trieften von Waſſer; aber ſein Geſicht war fröhlich und ſeine Augen leuchteten:„Triumph!“ rief er.„Wir haben geſiegt! Der Lootſencommandeur iſt ſchon an Bord. Run hat's nichts mehr zu ſagen. Er hat mehr Macht, als Klabautermann! Sind Sie da, Clementine? Ich wollte Sie holen, aber— Ich muß wieder fort. Bleibt Ihr nur ruhig hier. Es weht noch immer, wie toll; aber es iſt Kinderſpiel gegen vorhin.“ So ſtürmte er wieder zur Thür hinaus, ohne daß die beiden Frauen auch nur ein Wort hätten anbringen kznnen.— Sie traten an das Fenſter. Im Süden war es wieder hell geworden; der Regen hatte nachgelaſſen, auch der Sturm; aber das Meer rollte jetzt in ungeheuren Wogen heran.„Da ſteht Paul ſchon wieder auf der Düne,“ ſagte Clementine.„In der Freude ſeines Herzens ſchüttelt er allen Lootſen die Hände. Er iſt doch ein prächtiger Menſch.— Was meinſt Du?“ flüſterte ſie, ihren Arm liebevoll um Hedda's Schultern legend,„das wäre ein Mann für