Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 49

ſie um ihre Jugendſpiele und um das Glück ihrer ſpäteren Jahre

zugleich betrogen hat. Iſt für Guſtav und Clementine dieſer Augenblick gekommen?

dachte Paul, und er fühlte, daß trotz des Gleichklanges ihrer Naturen

ein Etwas in ihnen Beiden lebte, was einen ſolchen Augenblick für ſie verhängnißvoller machen mußte, als für viele Andere. Denn Guſtav war einer von den Männern, die ihr Leben freudig für die Geliebte laſſen würden, aber nur ungern den Rücken beugen, um das Tuch aufzuheben, das ihr entfallen iſt; denen die Zunge gelähmt iſt, wenn ihr Herz überſchwillt, und die darum nie das rechte Wort zur rechten Zeit ſprechen können; und das ſchien Paul, wenn ihn nicht Alles täuſchte, genau Clementinens Fall zu ſein.„Du lieber Himmel,“ dachte er,„wie oft ſich doch die Geſchichte von Gutmann und Gut⸗ weib wiederholt, und in Fällen, wo es ſich um ganz andere Dinge handelt! Die ſind auch im Stande, ohne daß ſie einen Laut über die Lippen bringen, zuzuſchauen, wie ihnen irgend ein frecher Dieb das Glück ihrer Ehe ſtiehlt!“ Und Alles, was er bisher von Herrn von Elze geſehen und gehört hatte, war nicht nicht im Stande geweſen, ihm Vertrauen zu dieſes Mannes Charakter und Grundſätzen einzu⸗ flößen, und ſein Verdict ſtand jetzt feſt: er iſt zu einer ſolchen That fähig! Und was war es nun, was den ſonſt ſo milden und vor⸗ urtheilsfreien Paul in dieſem Grade gegen einen Mann einzunehmen vermochte, der ihm mit der größten Freundlichkeit entgegengekommen war, dem Niemand etwas Böſes nachgeſagt hatte und nachſagen konnte, deſſen Kenntniſſe auf ſehr verſchiedenen Feldern— ein gar nicht unweſentlicher Punkt für Paul— alle Achtung verdienten, und deſſen, wie es wenigſtens ſchien, unverdientes Schickſal ihm eher Theilnahme hätte einflößen müſſen? Er hätte, wie Fauſt zu Gretchen, zu ſich ſagen können:„Du haſt nun einmal die Antipathie;“ aber der gebildete Mann iſt gewohnt, ſich von ſeinen Neigungen und Ab⸗ neigungen Rechenſchaft zu geben, und ſein Für und Wider mit Grün⸗ den zu unterſtützen. Und das vergaß auch Paul in dieſem Falle nicht. Er hatte während der vierzehn Tage, die er jetzt auf der Inſel lebte, manches Zwiegeſpräch mit dem Lieutenant gehabt, und ihn ſich oft in Gegenwart der Anderen über die verſchiedenſten Dinge Fr. Spielhagen's Werke. W. 5 4