48 Auf der Düne.
tragen muß; wenn er es natürlich findet, daß die Marktweiber nur auf ſeine kleine Frau gewartet zu haben ſcheinen, um ihrem Mädchen alles in den Korb zu ſtecken, was ſonſt Niemand haben will; wenn er ganz wohl begreifen kann, warum er eben ſo viel Wirthſchaftsgeld geben muß, als der Juſtizrath, ſein Univerſitätsfreund, der ſchon ſeit zehn Jahren verheirathet iſt, ein halbes Dutzend Kinder hat, und gar nicht ſchlecht lebt,— ſo muß er doch ſchon ein ganzer Mann ſein, und Kopf und Herz auf dem rechten Flecke haben, wenn er nach allen Seiten dieſelbe Billigkeit bewahrt, wenn er nicht verlangt, daß ſeine junge Frau ſich auf dem Markte des Lebens ſchneller zurechtfinde, als auf dem Gemüſemarkte, und ihn die prüfenden Blicke, mit denen ſeine Gattin jetzt anfängt, die Männer ihrer Bekanntſchaft zu muſtern, nicht ungeduldig machen ſollen. Und doch hieße es, ihr einen blinden Glau⸗ ben an ſeine Vorzüglichkeit zumuthen, wollte er ſich dieſem nachträg⸗ lichen Examen entziehen; und doch hieße es, ſie unbedingt zur Heuchelei verurtheilen, verlangte er von ihr, daß ſie den Eindruck, den dieſer oder iener Mann auf ſie gemacht hat, ſorgfältig verheimliche. Nur die gemeinen Naturen ſind mit jeder Lage zufrieden, und wiſſen ſich in jede Lage ſogleich zu ſchicken; je origineller und tüchtiger ein Menſch iſt, deſto mehr iſt er beſtrebt, ſich das Leben nach ſeinem Sinne zu geſtalten; und wenn er in ein Verhältniß verſetzt wird, ehe ſich ſein Wille für daſſelbe entſchließen konnte, ſo will er es wenigſtens nach⸗ träglich in ſeiner Vernunftmäßigkeit erkennen. Wünſcht alſo der Gatte, daß die Gattin ihre Wahl, die ſtreng genommen eigentlich keine war, jetzt ſanctionirt, ſo ſteht ihm nur ein Weg offen. Er zeige, daß ſie nicht beſſer hätte wählen können, ſelbſt wenn ſie all die tüchtigen und liebenswü irdigen Männer ſchon damals gekannt hätte, die ſie jetzt nach und nach in den erſten Jahren ihrer Ehe kennen lernt; und wie der edle Manchaner ſich am Kreuzwege aufpflanzte, um gegen Jedermann die unübertreffliche Schönheit ſeiner Dame Duleinea zu verſechten, ſo ſchleudre er kühn der ganzen Männerwelt den Handſchuh hin, daß er ſeiner Gattin würdig ſei, wie kein Anderer. Der Kampf iſt vielleicht ſchwer, und doch muß er ritterlich durchgekämpft werden, wenn nicht ein Augenblick kommen ſoll, wo ſie auf ihn ſieht, als auf den, welcher


