Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 47

ihr nachgeſagt, ſie habe dabei nur die Abſicht gehabt, des jungen Mädchens bedeutendes Vermögen ihrem Neffen zuzubringen, und pro⸗

phezeit, daß die ſo unpaſſende Verbindung zwiſchen einem reichen

jungen Mädchen von achtzehn Jahren und einem armen Manne von nahe vierzig nicht anders als übel ausfallen könne. Indeſſen die würdige Dame hatte das Glück und nur das Glück ihrer Lieblinge im Auge gehabt, und würde im umgekehrten Falle, wäre Clementine die Arme und Guſtav der Reiche geweſen, gerade ſo gehandelt haben; und was den Unterſchied der Lebensjahre betrifft, ſo konnte der in den Augen der alten Frau nicht ſo bedeutend ſein, die ihren Neffen mit den hier und da ergrauenden Haaren„mein Kind“ nannte, wie das blonde blühende Mädchen. Und was die Betheiligten ſelbſt an⸗ geht, ſo war die Wahl für Guſtav, der in ſeiner ſtillen Weiſe ein aufrichtiger und demüthiger Bewunderer der Schönheit und Güte war, eben ſo charakteriſtiſch, wie für Clementine, für die ſchon als junges Mädchen ein Stutzer nicht exiſtirte, und der Scherz, aus Eitelkeit einen alten Mann genommen zu haben, mehr als halber Ernſt war.— Und dennoch, meinte Paul, iſt und bleibt eine ſolche Ehe, wo ein Mädchen den Platz auf der Schulbank mit dem Ehrenplatze an dem Tiſche eines Mannes, der den Jahren nach ihr Vater ſein könnte, vertauſcht, ein Wagſtück. Sie, die von der Welt nicht mehr kennt, als die Schülerin einer Mädchenpenſion ſchicklicherweiſe wiſſen darf, ſoll gewiſſermaßen mit der Welt abſchließen, derſelben Welt, auf welche ſie Jugend und Lebensluſt und der allen Menſchen eingeborne Drang nach Erweiterung der Erfahrung gebieteriſch hinweiſen. Da kann es denn wohl kommen, daß die junge Mutter an der Wiege ihres Erſtgeborenen wacht, während ſie ihre Geſpielinnen auf dem Balle weiß; und es wäre ſehr lieblos, ihr Liebloſigkeit vorzuwerfen, wenn ſie jetzt, wenn die Klänge der Muſik aus dem hell erleuchteten Saale in die ſtille dämmrige Krankenſtube herübertönen, einen Seufzer über ihre verlorne Jugend nicht unterdrücken kann.— Und wenn ſich ein verſtändiger Mann über all' die kleinen häuslichen Mißſtände, welche aus der Unerfahrenheit der jungen Frau erwachſen, mit dem Gedanken wird zu tröſten wiſſen, daß es in dem Haushalt der Natur nicht anders iſt, und auch der Vogel ſein Neſt mühſam zuſammen⸗