Auf der Düne. 45
wobei es ſich denn wohl ereignen konnte, daß die Gattin des Be⸗ ſiegten den Sieger mit dem Kranze ſchmückte. So konnte es nicht immer geweſen ſein; denn Hedda hatte flüchtig, und ohne weiteres Gewicht darauf zu legen, Paul gegenüber die Bemerkung gemacht: ich weiß nicht, die beiden Herren haben einen recht unerquicklichen Ton gegeneinander angenommen; was mag wohl der Grund davon ſein? Daß Guſtav ſich aus andern Gründen in ſeiner Ehe nicht glücklich fühlen ſollte, konnte Paul nicht glauben; im Gegentheil, ſein Couſin und ſeine Couſine ſchienen ihm, trotz der Verſchiedenheit ihres Alters— denn Clementine war beinahe zwanzig Jahre jünger, als Guſtav— wie für einander geſchaffen. Sie war einfach und an⸗ ſpruchslos, wie er; ja ſie war es in einem Grade, daß ein minder guter, oder weniger liebevoller Beobachter auf den Verdacht hätte kommen können: die junge Frau wiſſe ſehr wohl, wie gut ſie dieſes ſtille beſcheidene Weſen kleide. Aber es war nicht Affectation, oder Originalitätsſucht, ſondern ihre innerſte Ueberzeugung, wenn ſie zum Beiſpiel von der Lectüre wenig hielt, und behauptete, ſie habe ge⸗ funden, daß vieles und buntes Leſen nur das eigene Denken beein⸗ trächtige und das Falſchmünzen von Gefühlen begünſtige;— und wer da weiß, wie weit der Plagiarismus der Gedanken und Empfin⸗ dungen von den feinen Herren und Damen der guten Geſellſchaft getrieben wird, kann Clementinen hierin ſo Unrecht nicht geben.— „Clementine hat wohl wenig Phantaſie?“ fragte Paul einſt Hedda, und die antwortete:„Wie man es nehmen will. Ein großer Poet iſt ſie nicht; aber wenn ſie auch nicht jenen Lurus der Phantaſie hat, die manche Leute befähigt, über den eingebildeten Leiden und Freuden ihrer Romanfiguren die wirklichen ihrer Mitmenſchen zu vergeſſen, ſo hat ſie genug, um mit den letzteren auf das herrlichſte ſympathiſiren zu können. Ich bin nicht halb ſo gut, wie Clementine; und mit mei⸗ nem Intereſſe für tauſend heterogene Dinge neben ihr nicht viel mehr, als eine Phantaſtin.“ Und in der That war thätige Menſchenliebe ein Grundzug von Clementinens Charakter. Wenn Hedda's Augen bei einer rührenden Stelle in einem Buche von Thränen überſtrömten, blieben Clementinens trocken; aber in Fällen wirklicher Noth konnte man auf ſie weit ſicherer rechnen, als auf Hedda. Nicht als ob des
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