Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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44 Auf der Düne.

Sache, daß Hedda einmal nicht ohne Bewunderung ſah, wie ſich auf ſeinem Geſicht der wechſelnde Ausdruck von Clementinens Geſicht, die ihm gerade mit Lebhaftigkeit eine Anekdote aus ihrem Leben erzählte, wie in einem treuen Spiegel abmalte. Nun iſt nicht zu leugnen, daß der vorzüglichſte Gegenſtand ſeiner Aufmerkſamkeit das reichbegabte, liebenswürdige Mädchen geweſen war; aber ſeine Umgebung zu beobachten, war ihm zur zweiten Natur geworden, und die Uebrigen

würden doch auch an die Reihe gekommen ſein, ſelbſt wenn nicht

Jeder, ſowohl für ſich, noch mehr aber in ſeinem Verhältniß zu den Anderen, Pauls Intereſſe ſo gleichſam herausgefordert hätte; wobei ſich denn der junge Philoſoph nicht verhehlen konnte, daß ihm noch manches Räthſel zu löſen blieb. Zwar den alten Seemann zu durch⸗ ſchauen, hielt nicht ſchwer; denn ſein Gemüth war ſo klar und hell, wie ſein heimiſches Element, und man ſah ſo deutlich, was auf dem Grunde ſeiner Seele vorging, wie man an manchen Stellen der See die kleinſten Steinchen und Muſcheln erkennen kann, die klaftertief unter uns auf dem Meeresgrund liegen.— Aber Guſtav, den Paul zu kennen glaubte, wie ſich ſelbſt, war ein anderer geworden. Wenn auch die Grundzüge ſeines Weſens geblieben waren— und wann könnten die je verwiſcht werden?— ſo ſchien voch jetzt ein gewiſſes Element faſt allzugroßer Gutmüthigkeit, wegen deſſen ihn Paul früher oft mit einer edlen Dogge verglichen hatte, die Ruhe und Frieden über Alles liebt, und ſo der beſte Spielkamerad der Kinder ihres Herrn iſt,— wenn nicht glänzlich von ihm gewichen, doch weſentlich getrübt. Beſonders gegen den Lieutenant war es, daß er dieſe, Paul bisher ganz unbekannte, rauhe Seite herauskehrte; und man konnte nicht in Abrede ſtellen, daß ihm derſelbe dazu nur zu oft Gelegenheit gab. Herr von Elze liebte es auf Koſten Andrer zu ſcherzen, und obgleich man ihm nicht vorwerfen konnte, daß er bei ſolchen Gelegen⸗ heiten die Grenzen des Anſtandes überſchritt und unfein wurde, ſo war doch ſeine Weiſe keineswegs liebenswürdig, und es war Paul aufgefallen, daß der Lieutenant dieſe Uebungen ſeines Witzes nur immer in Gegenwart der Damen anſtellte— nie, wenn die Männer unter ſich waren— ſo daß er auf die Vermuthung kam, derſelbe lege es darauf an, vor ihren Augen an Guſtav zum Ritter zu werden,