Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 43

zum Beſten, die an der Mündung des Nil ſpielte und ſehr komiſch ſein mußte, da die Andern nicht aus dem Lachen herauskamen; unſerm

Paul aber ſo geheimnißvoll blieb, wie die Quellen des ſagenreichen

Stromes, da ihn die Unterredung mit ſeiner ſchönen Couſine in ein Labyrinth von Zweifeln und Muthmaßungen geführt hatte, aus dem er für den Augenblick keinen Ausweg finden konnte, wie denn das

mit Labyrinthen ſo zu ſein pflegt.

Sechstes Capitel.

Wir hätten ſagen ſollen:„tiefer in ein Labyrinth,“ denn der Gedanke, der ihm an jenem erſten Morgen, als er mit ſeinem Vetter auf dem Verdeck des Adlers frühſtückte, er wußte ſelbſt nicht, wie? und warum? gekommen war— daß Guſtav auf den Lieutenant eifer⸗ ſüchtig ſein könnte, hatte ihn nicht wieder verlaſſen. Was er Anfangs mit einer Art von Inſtinct herausgefühlt hatte, war jetzt beinahe zur Gewißheit für ihn geworden; und die Ueberzeugung, daß das Ver⸗ hältniß zwiſchen ſeinem Couſin und ſeiner Couſine nicht ſo ſei, wie es ein treuer Freund wünſchen mußte, der einzige Schatten in ſeinem im Uebrigen ſo ſonnigen Inſelleben geweſen. Paul hatte von Natur die beſondere Gabe der Beobachtung, und er hatte dies angeborne Talent durch Studium und fortwährende Uebung zu einer Art Vir⸗ tuoſität ausgebildet, ſo daß er ſich nur kurze Zeit in einem neuen Kreiſe bewegt zu haben brauchte, um mit den Charakteren der Ein⸗ zelnen bis zu einem gewiſſen Grade vertraut zu ſein, und manchmal tiefere Blicke in die Verhältniſſe derſelben untereinander zu thun, als es die Betheiligten ſelbſt vermochten. Er ſagte oft:„ich glaube, ich habe die Menſchen deshalb ſo lieb, weil ſie dem Beobachter einen ſo unerſchöpflichen Stoff darbieten.“ Und die Menſchen zu beobachten war denn auch zu einer förmlichen Leidenſchaft bei ihm geworden. Er ſtudirte ihre Mienen; er hing an ihren Blicken; er zeichnete ihre Bewegungen nach; er wog ihre Worte, und war ſo ganz bei der

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