40 Auf der Düne.
einer muſikaliſchen Soirée unſchätzbar; aber Allem, was er producirt, fehlt das Beſte, und was Undinen fehlte, ehe ihr in der Liebe ein neuer Stern aufging: die Seele. Es iſt Alles kalt, wie ſeine Augen. Hat der Mann wohl je geliebt? und kann er lieben?
Eines Abends, als der Lootſencommandeur Guſtaven, der ſeit einigen Tagen zum erſten Mal wieder auf dem Nedur war, eine ſeiner unendlichen Geſchichten erzählte, und Hedda und Herr von Elze am Clavier, wie das häufig geſchah, über irgend einen muſikaliſchen Punkt in Streit gerathen waren, legte Paul dieſelbe Frage Clemen⸗ tinen vor, und jene fliegende Röthe zog wieder über ihr Geſicht, und ſie ſagte nicht ohne einige Verwirrung:„Wie meinen Sie das, Couſin?“
„Aber, liebe Clementine, kann die Frage auch noch mehrere Mei⸗ nungen haben?“
Ich wollte ſagen: weshalb glauben Sie das nicht?“
„Weil ſeine Stimme und ſeine Augen ſo kalt ſind.“
„Das finde ich nicht; im Gegentheil, ich dächte, daß ſeine Stimme im Duett vortrefflich mit Hedda's zuſammenklingt.“
„Da iſt er nur der kalte, dunkle Mond, der von der hellen Sonne
Licht und Wärme empfängt.“
„Natürlich; Hedda bringt überall zum Guten das Beſte.“
„Sie ſagen das halb ironiſch; ich glai⸗ das ſei ihre wirkliche Meinung.“
„Nun ja; aber ihr Alle macht doch auch wahrlich zuviel aus Hedda; ihr werdet ſie mir noch ganz verziehen, und dann kann ich zuſehen, wie ich ihren kleinen Kopf wieder in Ordnung bringe.“
„Couſine, Couſine! Sie ſind doch nicht eiferſüchtig auf Hedda?“
„Ganz und gar nicht; ich habe meine Freundin ſo lieb, wie wol ſelten eine Schweſter die andere, und weiß ſehr gut, daß ſie mir in jeder Hinſicht überlegen iſt.“
„In einer nicht, die ſonſt bei den Frauen gerade nicht gering geachtet wird.“
„Und die wäre?“
„Sie ſind viel hübſcher als Hedda.“
Das iſt Ihr Ernſt nicht.“


