Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 41

„Mein vollſter Ernſt. Und ich bin überzeugt, daß, Papa Walter

etwa ausgenommen, wir Alle hier im Saal derſelben Meinung ſind; Sie ſelbſt mitgerechnet.“

„Sehr ſchmeichelhaft! Eine herrliche Entſchädigung für den Mangel aller übrigen Talente.“

„Ich hätte Ihnen doch eines zugeſprochen, wenn Sie mir nicht ſo eben einen Beweis vom Gegentheil gegeben hätten.“*

„Welches Talent meinen Sie?“

„Das Talent, die Charaktere der Menſchen leicht und richtig zu beurtheilen.“

„Und der Beweis vom Gegentheil?“

„Daß Sie Herrn von Elze's Augen nicht kalt finden, und Sie wiſſen: in den Augen liegt das Herz.“

„Ich halte ſeine Augen nur für klug, nicht für kalt.“

„Es giebt eine Art von Klugheit, die ohne einen bedeutenden Kältegrad gar nicht möglich iſt.“

„Da hat der arme Herr von Elze ja noch eine Stimme mehr gegen ſich.“

„Dafür hat er auch die Ihrige für ſich.“

„Ich vertheidige ihn nur, weil ihn Alle angreifen, und weil er unglücklich iſt.“

„Wer hat Ihnen das geſagt?“

„Er ſelbſt.“

„Ein Mann ſollte ſein Unglück ſchweigend erdulden.“

„Das iſt leichter geſagt, wie gethan.“

„Aber doch nothwendig.“

„Und ein Mann ſollte gar nicht klagen dürfen?“

„Höchſtens einem vertrauten Freunde gegenüber.“

„Und wenn mich nun Herr von Elze ſeines Vertrauens für würdig erachtet hätte? und wenn ich nun ſeine Freundin wäre? Warum lachen Sie, Couſin?“

„Verzeihen Sie, liebe Couſine! Mir fiel nur gerade ein, daß Sie darüber mit Guſtav in eine allerliebſte Dispüte gerathen könnten.“ Clementine erröthete abermals und ſtärker, wie zuvor, und fragte

6„Was hat Guſtav über Herr von Elze geſagt?“