Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 39

dringen; ja Paul behauptete geradezu, daß ſie manchmal noch tiefer als bis auf den tiefſten Grund dringe, und ſinge und ſpiele, was Dichter und Muſiker vielleicht hätten ſagen wollen, aber auszudrücken nicht im Stande geweſen wären. Paul hatte indeſſen in ſeinem En⸗ thuſiasmus einen Nebenbuhler, und zwar an Hedda's eignem Vater. Der alte Seeheld theilte ganz ſeines Collegen Odyſſeus leidenſchaft⸗ liche Vorliebe für den Geſang, und er ſaß ſo feſt hinter ſeiner Bowle in der Sophaecke, und ſchaute ſo unverwandt auf ſeine Tochter, und hörte mit ſolchem Entzücken zu, daß Paul ihn mit dem Sohn des Laertes verglich, als er, an den Maſt gebunden, unverwandten Auges nach dem Felſen der Sirenen blickte und ihrem ſüßen Geſang lauſchte. Und dann, war der Geſang zu Ende, athmete er tief auf, und ſah die bei ihm um den Sophatiſch ſaßen, triumphirend an, als wollte er ſagen: iſt es nicht ein Goldmädchen? Und nun rief er ſein Töch⸗ terchen zu ſich und ſtreichelte ihr zärtlich die von der Aufregung des Vortrags erhitzten Wangen, und fragte, ob das Lied von Schumann oder Mendelsſohn ſei— es iſt mir unbegreiflich, wie Sie das immer ſogleich heraushören können, Doctor— und jetzt mußte das Töchter⸗ chen aus ſeinem dargebotenen Glaſe nippen, und zuletzt hieß es: „Aber, Hedding, mun noch eines! das, welches Du geſtern Abend ſangſt, von der Seele und dem Herzen und dem Grabe, wo es da hernach ſo geht: tam, tam, tam, tam!— nun, Du weißt ſchon, welches.“ Und Hedda ging wieder zum Clavier, und ſang das Rückert'ſche:„Du meine Seele, du mein Herz“ in der überaus herr⸗ lichen Compoſition von Robert Schumann.

Clementine war im Ganzen am ſparſamſten mit Beifallsbezeu⸗ gungen, und das würde Paul an ihr, der langjährigen Freundin, die ſchon Zeugin ſo vieler Triumphe der Art geweſen war, nicht weiter aufgefallen ſein. Was ihn aber wunderte, war, daß Clementine das muſikaliſche Talent Herrn von Elze's noch über Hedda's zu ſetzen ſchien, und das wollte ihr Paul durchaus nicht zugeben. Nicht als ob er des Lieutenants Talent gering geachtet hätte. Er ſpielt das Cello recht brav, dachte Paul; er ſingt ſehr richtig und vom Blatte; die Geheimniſſe des Generalbaſſes ſind ihm ſogar erſchloſſen; er be⸗

gleitet und transponirt äußerſt geſchickt, und iſt mit einem Worte in