Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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38 Auf der Düne.

Gelegenheit hatten, den ganzen Tag beiſammen zu ſein, und die ſich dieſe Gelegenheit nicht entgehen laſſen wollten, kann man des Abends ſo gelangweilt neben einander ſitzen ſehen, wie ein Paar jener kleinen hübſchen Vögel, die man Inſéparables nennt, auf einer Stange in ihrem Bauer. Haben wir Menſchen doch das Leben vor allem lieb; und wäre unſre Exiſtenz erträglich, wenn wir ſie nicht zeitweiſe, im Schlaf, unterbrechen könnten?

So brachten ſie denn auch zu der Promenade, zu der ſie ſich gegen Abend zuſammenfanden, wieder friſche Lebensgeiſter mit, die denn auch manchmal recht übermüthig ſein konnten. Aber wahrlich, ſie ſind auch köſtlich, dieſe abendlichen Waſſerfahrten, wenn das ſchnelle Boot luſtig über die ſich kräuſelnden Wellen hineilt, oder, von Rudern getrieben, ſanft über die glatte Fläche gleitet, der rothe Sonnenball in die Fluthen taucht, und Meer und Himmel in tauſend Lichtern prangen— die Phantaſie auf einem der roſigen Wölkchen weit und weiter ſegelt bis in die Reiche der Seligen, und dann der Blick aus der ungemeſſenen Ferne zurückkehrt, auf einem lieben Menſchenantlitz in der nächſten Nähe auszuruhen, vielleicht all' die Herrlichkeit wieder⸗ zufinden auf dem lieben Menſchenantlitz!— Dann kamen ſie, von der Seeluft und von all' dem Schwatzen und Lachen hungrig, nach Hauſe, und während der Lootſencommandeur nach dem Abendeſſen die unausbleibliche kleine Bowle braute, und Paul, der ſich in dieſen Dingen für eine Autorität ausgab, herbeirief, um ihn zu fragen, ob die Miſchung für die Damen ſo recht ſei, hatte Herr von Elze, wel⸗ cher am Abende niemals fehlte, ſchon das Clavier für Hedda geöffnet, ſein Cello aus dem Kaſten genommen, und das Concert begann. Hier war es nun, wo Hedda's immer heller Stern am glänzendſten ſtrahlte, Paul am liebſten zu ihm emporſchaute, und ſich am innigſten an ſeinem funkelnden Licht ergötzte. Er wußte ſelbſt nicht, ob nur die neue Situation ſeine Sinne ſo geweckt hatte, sder ob Hedda wirklich ein ſo vorzügliches Talent beſaß; aber es war ihm, als ob er nie ſo ſeelenvoll habe ſpielen und ſingen hören— beſonders ſingen. Ihre Stimme war keineswegs tadellos, und ein beſſerer Kenner hätte wohl an ihrer Schule Manches auszuſetzen gehabt; aber es war nicht möglich, in den Geiſt des Liedes und der Compoſition tiefer einzu⸗