Auf der Düne. 31
„Deſto beſſer.“
„Und Sie wollen mir ſtets die Wahrheit ſagen?“
„Das verſpreche ich Ihnen; vielleicht nicht immer die ganze Wahrheit; ſicherlich aber nichts, als die Wahrheit.“
„So rechnen Sie mich doch noch halb und halb zu den Narren?“
„Nein! Aber ich müßte mich nicht ganz zu den Kindern der Klugheit rechnen, wenn mir die ganze Wahrheit nicht manchmal be⸗ denklich ſcheinen ſollte.“
Und ein anderes Mal:
Hedda:„Warum gedenken wir unſerer abgeſchiedenen oder weit entfernten Lieben in Momenten, wo wir uns glücklich fühlen, weit öfter als in ſolchen, wo wir traurig ſind?“
Paul:„Möglicherweiſe aus derſelben Großmuth, die uns im Kummer ſtill, im Glück aber mittheilſam macht.“
„Etwa ſo, wie das verwundete Elenn, auf Freiligrath's Autorität, die Heerde der Geſunden flieht, und ſich im Forſt birgt, um einſam zu ſterben?“
„Das meine ich. Vielleicht auch, was die Verſtorbenen betrifft, weil die ewige Seligkeit mit dem Erdenjammer nichts mehr, mit dem irdiſchen Glück aber doch noch ein wenig gemein hat.“
„Und glauben Sie an die ewige Seligkeit?“
„Auf alle Fälle, ſelbſt in dem, daß ſie in nichts Anderem be⸗ ſtände, als in einem tiefen, traumloſen Schlaf.“
„Weshalb traumlos?“
„Weil, wie Hamlet ſagt, wir nicht wiſſen, was in dem Schlaf für Träume kommen mögen.“
„Und wenn es nun lauter glückliche wären?“
„Das halte ich für unmöglich. Wo Licht iſt, iſt auch Schatten, und wer durch einen Traum beglückt wird, muß auch durch einen Traum erſchreckt werden können.“
„Träumen Sie oft?“
„Mehr wie zuviel.“
„Und glauben Sie an Träume?“
„Ja; das heißt, ich glaube, daß, wenn der Schlaf die erregten Wellen des Lebens zu einem ruhigen Spiegel ſänftigt, wir deutlicher


