30 Auf der Düne.
Landungsbrücke ſtieß, auf dem der junge Fremde mit ſeinem Töchter⸗ chen wer weiß wie weit in die offene See hineinruderte?„Ich glaube, ich könnte mit Ihnen ohne Furcht durch die ganze Welt reiſen;“ ſagte Hedda einſt bei einer ſolchen Gelegenheit zu Paul. „Soll ich Sie gleich jetzt um die ganze Welt rudern? oder vorläufig noch einmal zurück nach dem Nedur?“ antwortete dieſer lachend.— Sie hatten in ihren Unterhaltungen einen eigenen Ton angenommen, der zwiſchen Ernſt und Scherz eine glückliche Mitte hielt, oder viel⸗ mehr gleich viel von beiden hatte. Sie ſprachen oft von hohen Dingen; aber ſie wußten ſtets einen leichten Uebergang zu den kleinen zu finden.
„Warum ließen die Griechen die Göttin der Schönheit gerade aus dem Meere hervorgehen?“ fragte Hedda.
„Weil die größte Schönheit nur aus der größten Tiefe kommen kann,“ antwortete Paul.
„Wie geht es zu, daß Sie auf alle meine Fragen eine Antwort bereit haben?“
„Weil auf kluge Fragen auch wohl ein Narr einmal eine gute Antwort findet, wenn umgekehrt, wie das Sprichwort ſagt, ein Narr in einer Minute mehr fragen kann, als ein Weiſer in einer Stunde zu beantworten vermag.“
„Sie ſind wohl ſehr gelehrt, Voiſin?“
„Lange nicht ſo gelehrt, als Sie geiſtreich ſind, Voiſine.“
„Spotten Sie meiner?“
„Ihnen werde ich ſtets die Wahrheit ſagen.“
„Muß man das nicht Jedem?“
„Erinnern Sie ſich, was Gvethe von den Narren ſagt und den Kindern der Klugheit?“
„Nein.“
„Kinder der Klugheit haltet die Narren eben zum Narren auch, wie ſich's gehört!“
„Das ſcheint mir ein ſehr gefährlicher Grundſatz.“
„Wie das Meſſer in der Hand des Meuchelmörders gefähr⸗ lich iſt.“
„Jedenfalls ſcheint er mir eine zweiſchneidige Waffe.“


