Auf der Düne. 29
ſelben ebenſo lächerlich, als ihm alle Zügelloſigkeit verhaßt war. „Unſere jungen Männer,“ ſagte er wohl,„ſind mit wenigen Ausnahmen Pedanten oder Wüſtlinge, und unſere jungen Mädchen Wachspuppen oder Koketten. Sagen Jene: was werden wir eſſen, was werden wir trinken? ſo ſorgen Dieſe: womit werden wir uns kleiden und wann werden wir heirathen? Ja, und wären ſie nur noch wahre ſchöne ambroſiſche Heiden; aber ſo wiſſen ſie vom Vater Zeus ſo wenig, als von ihrem himmliſchen Vater. Und bei dieſer Geſinnung geht alle Freiheit, und mit der Freiheit aller Geiſt und aller Witz verloren, und machen einer hölzernen Steifheit und einer allgemeinen Nüchternheit Platz, die um nichts ſittlicher, aber um vieles lang⸗ weiliger iſt.“— Und wenn Paul nun dennoch dann und wann in den erſten Tagen die Schalkheit, das kecke und doch ſo herzliche Weſen Hedda's für Koketterie hatte halten können, ſo ſah er darin jetzt nur einen Beweis, daß auch ſein freier Geiſt der ſchnöden Welt den ſchnöden Tribut hatte zahlen müſſen.„Welche Thoren ſind wir Menſchen doch!“ ſprach er bei ſich,„da ſehnen wir uns lange Jahre nach der blauen Blume, und durchſtreifen Felder und Wälder, ſie zu finden, und treffen wir nun endlich einmal in einſamem Felſenthale auf die holde, ſo gehen wir achtlos an ihr vorüber, oder mißachten ſie wohl gar. Aber das willſt Du nicht; Du willſt Dich an ihrem füßen Dufte laben, an ihrer zierlichen Geſtalt freuen, und nicht ſen⸗ timental werden, und fragen: liebſt Du mich, blaue Blume?“ Und da er ſich in ſeinem Benehmen gegen Hedda ganz conſequent blieb, und das junge Mädchen ſich nicht weniger zu ihrem neuen Geſell⸗ ſchafter hingezogen fühlte, der alle Zeit ſo heiter und freundlich war, und bei all' ſeiner Lebendigkeit nie mit einem Worte, einem Blicke ihr feines Gefühl für Schicklichkeit verletzte, ſo bildete ſich bald ein ſo traulicher Verkehr zwiſchen den Beiden, daß, hätte die Idylle ihrer jungen Freundſchaft anſtatt auf einer einſamen Inſel in einer Stadt geſpielt, des albernen Geſchwätzes über ihr„höchſt auffallendes Be⸗ tragen“ kein Ende geweſen ſein würde. Und dann, war es nicht wenigſtens ſehr unvorſichtig von Clementinen, ihre Freundin ſo oft und ſo lange mit ihrem Couſin allein zu laſſen? und nicht geradezu unverantwortlich von Papa Walter, daß er ſelbſt das Boot von der


