Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 27

ſamen Wogen des ſtillen Oceans, pflanzen ſich ebenſo, wie dieſe, ununterſcheidbar in einander fort, ſo daß kein Menſch, und der gute Mann ſelbſt am wenigſten, im Stande iſt zu ſagen, wo die eine auf⸗ hört und die andere anfängt, und dem Zuhörer kein anderes Mittel bleibt, als ſich geduldig vom Strom der Erzählung forttragen zu laſſen, unbekümmert darum, zu welchen Ufern er ihn führen wird. Und dennoch hat dieſer ſcheinbar ſo verwirrte Mann in der Stunde der Gefahr, die auch die kräftigſten Geiſter verwirrt, den klarſten Kopf, der mit unbeſchränkter Souveränetät über alle Mittel gebietet, die Wiſſenſchaft und Erfahrung an die Hand geben; und dennoch weiß dieſer Mann, der jeden Augenblick den Faden der Erzählung verliert, ohne Compaß und Karte, durch Nacht und Nebel und Sturm die Schiffe durch das enge, gewundene Fahrwaſſer in den rettenden Hafen zu führen, mit derſelben inſtinctiven Sicherheit, mit der der Jagdhund auf der Fährte des Wildes jagt. Dieſe ſchätzbaren Eigenſchaften ſind denn auch höheren Ortes anerkannt worden, und haben den Mann an den verantwortlichen Poſten geſtellt, den er jetzt bekleidet. Er hat ſich im Anfang etwas gegen die ihm zugedachte Ehre geſträubt, da ſie ihm in einem Augenblicke angetragen wurde, als er ſich eben im ruhigen Genuß ſeines wohlerworbenen Vermögens auf ſeinen Lorbern ausruhen wollte; aber zuletzt haben denn doch das Bewußtſein, noch viel Gutes wirken zu können, vielleicht auch ein wenig verzeihliche Eitelkeit, vorzüglich aber wohl die unbezwingliche Neigung, die den Seemann an die blaue See feſſelt, wie den Jäger an den grünen Wald, den Sieg davon getragen. Dies Alles weiß ich natürlich nur aus dem Munde Anderer, vorzüglich ſeiner Tochter, die an dem Vater, den ſie in ſo vielen Stücken überſieht, mit unend⸗ licher Liebe hängt; denn er ſelbſt iſt viel zu beſcheiden, als daß ihn nicht jede directe Anſpielung auf ſeine Thaten und Verdienſte in die peinlichſte Verlegenheit bringen ſollte. Dazu nimm, daß dieſer Mann harmlos und naiv iſt wie ein Kind, und von ſo großer Liberalität, daß, hätte er unter den Indianern gelebt, er längſtdie offene Hand zubenannt ſein würde; daß er allen Menſchen gut iſt, in Sonderheit aber ſeiner liebenswürdigen Tochter, bedenke dies Alles, und ſage mir, ob Du auf dieſen Mann den erſten Stein werfen willſt, weil