Auf der Düne. 21
Nacht, Du Lieber! ich ſchriebe gern mehr, aber ich bin ſo müde und glücklich, daß ich nothwendig ſchlafen und träumen muß. Gute Nacht!“
Piertes Capitel. Paul St. an Franz S. in Berlin.
Acht Tage ſpäter.
Tauſend Dank, lieber Franz, für Deinen letzten Brief, der bis hieher nur einen Tag länger unterwegs geweſen iſt. Du haſt mir gewiß ſchon geiſtreichere Briefe geſchrieben, aber niemals einen, aus dem Deine Freundſchaft für mich ſo hell hervorgeleuchtet hätte! Ja, Du Lieber, wir ſind, für dieſes Leben wenigſtens, unauflöslich ver⸗ bunden, und die unter Millionen vielleicht einmal wiederkehrende Uebereinſtimmung unſerer Anſichten und Neigungen bürgt mir dafür, daß wir bei einer ſpäter etwa eintretenden Metempſychoſe dieſelben Stadien durchmachen werden. Und wenn ich nun gar ſehe, wie Du, mein ſtolzer junger Aar, Dich mir zu Liebe in eine uralte Krähe ver⸗ wandelſt, die den Schnabel nur öffnet, um ganz abſcheulich von be⸗ vorſtehendem Unglück zu krächzen, ſo könnte mich das faſt bis zu Thränen rühren; nicht, als ob ich im geringſten Deine Beforgniſſe theilte, ſondern weil ich aus der Größe Deiner Uebertreibungen die Größe Deiner Liebe zu mir ermeſſen kann. Wahrlich, wie große Ivealiſten die Menſchen ſind, kann man recht aus den idealen Bil⸗ dern ſehen, die ſie von ihren Geliebten im Herzen tragen! Aber, lieber Franz, macht uns dieſer ſchöne Idealismus nicht auch oft un⸗ gerecht gegen die Wirklichkeit? und biſt Du es nicht gegen mich in dieſem Augenblicke? Du vermagſt nicht abzuſehen, was aus meinem Herumſinbadiſiren in der Welt Gutes kommen ſoll. Du fragſt, ob dies der Zweck war, weshalb Du mich halb mit Gewalt aus dem zerſtreuenden und entnervenden Berliner Leben riſſeſt? Du behaupteſt,


