Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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20 Auf der Düne.

Theile, der immer ſchmaler und ſchmaler wurde, und zuletzt nur noch einige Fuß breit war, eine beſondere Neigung blicken ließ, unter das Niveau des Meeres zu verſinken. Da war es denn Paul ein wun⸗ derbarer Anblick, wie dieſer kaum ſich über das Waſſer erhebende Sandſtreifen im Stande war, die heranbrauſende Fluth in ihrem ſcheinbar unaufhaltſamen Laufe zu hemmen. Er war mit Hedda bis zur äußerſten Spitze vorgedrungen, auf der eben noch ein paar Möven geſeſſen hatten, die jetzt ſchreiend die Eindringlinge umkreiſten; und als er die grünen, ſchaumgekrönten Wogen herankommen und eine nach der andern zu ihren Füßen in ſpielende Kreiſe zerrinnen ſah, wiederholte er andächtig die Worte des Pſalmiſten: hier ſollen ſich legen deine ſtolzen Wellen!

Als der Lootſencommandant ſpät am Abend ſeinen Gaſt auf das für ihn beſtimmte Zimmer geführt, ſich die unnöthige Mühe gegeben, nachzuſehen, ob auch Nichts an ſeiner Bequemlichkeit fehle, und ihm ſchließlicheine wohlſchlafende Nacht gewünſcht hatte, fügte dieſer noch Folgendes dem geſtern Abend an ſeinen Freund geſchriebenen Briefe hinzu:Beſter Franz; ich habe einen reizenden Tag verlebt und wohl hundert Mal gewünſcht, ich hätte Dich hier gehabt. Wann werde ich doch endlich die dumme Gewohnheit, nur in Deiner Geſell⸗ ſchaft ganz froh ſein zu können, los werden? Nun kannſt Du mir nicht einmal ſagen, was Du von Hedda's Augen hältſt. Schön ſind ſie, und wunderbar klug, das habe ich auch wohl ohne Dich ge⸗ ſehen; aber die Farbe, lieber Freund, die Farbe! Sind ſie braun oder ſchwarz oder grün? ich weiß es nicht. Clementinens ſind blau, daran iſt kein Zweifel. Iſt ſie wohl die rechte Frau für Guſtav, oder umgekehrt: iſt wohl Guſtav für ſie der rechte Mann? Ja? Nein? Du biſt ja heute Abend ſo geheimnißvoll! Und haſt Du denn die Geſchichte von der Seeſchlange begriffen, die uns der alte Lootſen⸗ commandeur heute Abend bei der Bowle zum Beſten gab? Mir ſchien ſie ſelbſt eine Seeſchlange zu ſein; ſo lang war ſie, und auch ſo ſcheinbar ohne Kopf und Schweif. Ach, Franz, warum biſt Du nicht hier? Wahrlich ich beklage Dich! Ich bin jetzt ſo viel glück⸗ licher denn Du, als das Branden der Wogen am Strande melodiſcher iſt, wie das Rollen der Droſchken auf dem Straßenpflaſter. Gute