Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 11

Und der hat eine Lochter?

Ja, habe ich Dir das nicht geſagt?

Nein; wie alt iſt ſie?

Zwanzig oder zweiundzwanzig Jahre. Sie iſt ein Jahr älter oder jünger wie meine Frau, und die iſt einundzwanzig.

Iſt ſie hübſch?

Meine Frau?

Ach, das verſteht ſich von ſelbſt, daß Deine Frau hübſch iſt; aber Hedda?

Ich weiß wirklich nicht einmal; ich habe ſie nie darauf an⸗ geſehen.

Ueber den exemplariſchen Ehemann! Aber dieſe Antwort ſteht Dir gut wie dem Schweizer ſeine Narben! Alſo hübſch iſt ſie nicht, und ein Gänschen obenein? nicht?

Oho, da kommſt Du ſchön an! Sie iſt mit meiner Frau zu⸗ ſammen in der Penſion erzogen, und alle Welt nannte ſie nurdie kluge Hedda.

Das klingt ſchon beſſer. Dann liest ſie auch wohl?

Daß einem um ihren Verſtand bange werden möchte.

Iſt ihre Mutter eine verſtändige Frau?

Die Mutter iſt todt.

Armes Mädchen! ſeit wie lange?

Nun es wird wohl vier Jahre oder ſo her ſein. Seitdem lebt Hedda bei ihrem Vater, und hat den Nedur kaum auf Wochen ver⸗ laſſen.

Da wird ſie wohl ſo melancholiſch ſein, als die Heine'ſche blaſſe Frau auf dem Schloſſe an der ſchottiſchen Felſenküſte. Spielt ſie auch die Harfe?

So viel ich weiß, nein; aber das Clavier, wenn Dir das genügt.

Singt ſie?

Gut?

Da mußt Du Herrn von Elze fragen.

Und wer iſt Herr von Elze, wenn man fragen darf?