Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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8 Auf der Düne.

Als Paul bald darauf auf das Verdeck kam, ſah er im Anfang Nichts, als Himmel und Waſſer. Die unendliche Fläche war in lange, regelmäßige Wogen gefurcht, die prächtig in der Morgenſonne blitz⸗ ten; und, wie der Elephant ſeines Traumes, ſchnaubend und keuchend ſtampfte das gute Schiff in die Wellen hinein, und durchbrach ſie mit ſeiner mächtigen Bruſt, und ſchien ſeine Freude daran zu haben, wenn ſich die eine oder die andere in einem Sprühregen über ſeinen Nacken ergoß. Es mußte ſich es ſauer werden laſſen, das gute Schiff, denn hinter ſich her an den mächtigen Tauen ſchleppte es zwei rieſige flache Boote, die mit Meerſand bis an den Rand gefüllt waren, und ſo tief im Waſſer gingen, daß es Paul's ungeübtem Auge erſchien, als müßten ſie und die halbnackten Männer, die darauf ſtanden, jeden Augenblick von den Fluthen verſchlungen werden. Zwei ungeheure Schlangen mit vielfach gekrümmten Rücken ſchien die Doppelſpur, welche die Räder des Dampfers in den erregten Waſſern empor⸗ wühlten, und über die Schlangen und die Boote hin warf die lange, ſchwarze Rauchſäule aus dem Schlot wechſelnde, unheimliche Schatten. Zum erſten Mal fühlte ſich Paul wirklich auf dem Meere, dem Ge⸗ biete des dunkellockigen Poſeidon. Seine Augen füllten ſich mit Thränen, und es fehlte nicht viel, er wäre auf die Knie geſunken; ſo gewaltig war der Eindruck, den das herrliche Schauſpiel auf ſein empfängliches Gemüth machte. Geſtern auf ſeiner Fahrt war er, ſo lange es Tag war, dem Ufer zu nahe geweſen. Aber das Meer, von ufern rechts und links eingeengt, iſt nur ein Löwe im Käfig. Da iſt nur eine ſchwache Spur von ſeiner Schönheit und ſeiner Kraſt und ſeiner Wildheit. Erſt wenn Himmel und Meer am Horizonte ineinanderfließen, überkommt uns die Ahnung der Unendlichkeit, die ein nothwendiger Factor des Erhabenen iſt. Zwar war auch jetzt noch nicht alles Land verſchwunden; aber es trat hoffnungslos weit zurück. Gegen Oſten ragte ein blaues Vorgebirge der großen Inſel aus den Fluthen. So hatte wohl der Sohn des Laertes das Land der Phäaken geſehen, als ihn die Welle hoch emporhob, und ihm die rettende Inſel erſchienwie ein Schild. Die Küſte des Feſtlandes im Weſten deutlich zu erkennen, mußte Paul das Fernrohr zu Hülfe nehmen, und was das kleine Eiland betrifft, von dem ihm geſtern