Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne.

Zweites Capitel.

Paul ſaß eifrig ſtudirend in G.. in ſeiner Stube, deren Fenſter auf den ſtillen, ſchattigen Hof der Kirche ſahen, und ſtreckte eben die Hand nach einem alten Folianten vor ihm aus, als ſeine Wirthin hereintrat, und mit einem tiefen Knixe fragte, ob er Befehl gegeben habe, das Haus auf Rollen zu ſtellen und den großen Ele⸗ phanten davor zu ſpannen. Er erwiederte, das ſei allerdings ſein Wunſch, denn er müſſe nothwendig nach Berlin, und da er ſich doch auch nicht gern in ſeiner Arbeit wolle ſtören laſſen, ſei er auf beſagten ſinnreichen Einfall gekommen. In dieſem Augenblick ließ ſich ein lautes Schnauben und Brauſen vernehmen, und das Haus erbebte vom Grund bis zum Giebel. Es ſchüttelt im Anfang ein wenig, ſagte Paul freundlich; aber man gewöhnt ſich bald daran. Aber das Schnauben wurde lauter und lauter, und das Schütteln immer be⸗ denklicher. Die Fenſter klirrten in Scherben, die Bücher polterten aus den Schränken und die Wirthin eilte aus dem Zimmer, laut ſchreiend, das Haus gehe aus den Fugen. Paul ließ ſich das weiter nicht anfechten. Da barſt' die Mauer mit fürchterlichem Krachen, und die Meereswogen rauſchten von allen Seiten durch die klaffenden Spalten, die Zimmerdecke rollte ſich auf, der Boden wich unter ſeinen Füßen, und er ſchwamm allein auf einem weiten, wüſten Ocean, und die Bücher wurden zu weißen Möven, die ihn kreiſchend umflatterten. Dabei zeichneten ſich beſonders zwei übermäßig fette und plumpe aus, die noch vor einem Augenblicke griechiſche Lexika geweſen waren. Vor ihren weit aufgeſperrten dicken Schnäbeln ergriff ihn eine entſetzliche Angſt, und als gar die eine nach ſeinem nackten Arm hackte, fuhr er mit einem Schrei in die Höhe, und ſtarrte Guſtav, der vor ſeinem Lager ſtand, und ihn bei dem herabhängenden linken Arm ergriffen hatte, verwundert in das gutmüthige, ſonnegebräunte Geſicht.

Du Langſchläfer, ſagte der,wir bringen ſchon zum zweiten Male die Prähme fort. Mach', daß Du in Deine Kleider und auf Deck kommſt.