4 Auf der Düne.
die zwiſchen der Inſel R. und unſerer Küſte hindurchführt, ſtationirt“ Auf meine Frage, ob er denn auch Frau und Kind dem trügeriſchen Elemente anvertraut habe, antwortete er mir, ob ich nie etwas vom „Nedur“ gehört hätte. Ich ſchüttelte den Kopf. Nun belehrte er mich, daß an dem Eingange der Waſſerſtraße zwiſchen der Inſel und der Küſte ein kleines Eiland,„Redur“ genannt von den Göttern und den ſterblichen Menſchen, gelegen ſei, welches einer großen Menge von Seevögeln und einer kleinen Anzahl von Menſchen zum Aufent⸗ haltsort diene; daß beſagtes Eiland von unſäglicher Wichtigkeit für alle handeltreibenden Nationen der Erde ſei, nicht nur als der ſchick⸗ lichſte, ſondern auch als der einzige Punkt, den ein weiſes Gouverne⸗ ment in dieſem Theile der Gewäſſer für die Anlegung einer Lootſen⸗ ſtation habe ausfindig machen können; daß, da das Meer, beſonders bei Nord⸗Oſt, eine unverkennbare Neigung blicken laſſe, den„Nedur“ mit Allem, was darauf ſei, zu verſchlingen, er durch allerlei höchſt künſtliche Waſſerbauten für die Erhaltung deſſelben Sorge zu tragen habe, ein Geſchäft, dem er ſich mit um ſo größerem Eifer unterziehe, als in dem Hauſe des Lootſencommandeurs ebendaſelbſt ſeine Familie zur Zeit ſich befinde.„Von Deiner Ueberſiedelung aus dem leidigen
Berlin hierher in dieſe Univerſitätsſtadt,“ fuhr er fort,„habe ich von
Bernhard gehört; und ich wäre ſchon längſt einmal herübergeſegelt, wenn ich irgend Zeit gehabt hätte. Wir ſind im Umkreis von hun⸗ dert Meilen die Einzigen aus der Familie, und Verwandte, meine ich, müſſen zuſammenhalten. Wie wär's, wenn Du Deine Sachen packteſt, und Deine Ferien bei mir verlebteſt? Viel kann ich Dir nicht bieten; aber— was für ein bedenkliches Geſicht machſt Du? haſt Du keine Luſt?“
Ich deutete mit kläglicher Geberde auf meinen mit Büchern und Papieren bedeckten Arbeitstiſch.
„Du kannſt die alten Scharteken ja mitnehmen, wenn Du ohne ſie nicht leben kannſt.“
„Und deine Frau?“
„Ja, das hätte ich beinahe vergeſſen“—
Hier producirte er aus einer corpulenten Brieftaſche ein zierliches
Briefchen, in welchem mich meine neue Couſine, die, wie ich jetzt


