Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dritter Band. 51

äußerſten Falle, der Ausführung der Pläne Anna⸗Maria's entgegen⸗ zuſetzen, feſt entſchloſſen war. Er hatte ſeine Tochter immer geliebt, aber jetzt betete er ſie an. Sie war ſo ſchön, ſo ſtolz, und gegen ihn, den alten Vater, ſo freundlich beſcheiden, daß ſein Herz, wenn er dachte, er könnte aus dem Leben gehen, ohne das Schickſal dieſes ſeines Lieblings ſicher geſtellt zu haben, Angſt und Trauer zugleich empfand. Wäre nun Felir der Mann geweſen, wie er ſich den Gemahl ſeiner Tochter wünſchte, ſo hätte noch Alles gehen mögen. Aber das war Felir keineswegs. Der alte Baron war ſeiner Zeit auch ein junger Baron und war, wie Felir, Offizier geweſen. Er wußte ſehr wohl, welchen Verſuchungen ein junger und reicher Edel⸗ mann in dieſer Lage ausgeſetzt iſt; er ſelbſt war dieſen Verſuchungen nicht immer entgangen und hatte in ſeinem reiferen Alter, als ſein von jeher ernſt geſtimmter Geiſt ſeine naturgemäße Richtung erlangt hatte, mit bittrer Reue die Sünden ſeiner heißblütigen Jugend beklagt. Er hatte an ſeinem Vetter Harald das lebendige Beiſpiel gehabt, wohin die ungezügelten Leidenſchaften zuletzt führen, und ſein durch die Liebe zu ſeiner Tochter und durch die Erfahrung in dieſem einen Falle doppelt ſcharfes Auge erkannte ſofort, daß ſein Neffe Felir in einem hohen Grade der Sklave dieſer Leidenſchaften geweſen ſein mußte, vielleicht noch war. Er hatte den jungen Mann vor ein paar Jahren geſehen, als dieſer eben die Cadettenſchule verließ. Damals hatte er eine angenehme Erinnerung an den ſchlanken, kräftig gebau⸗ ten Jüngling mit dem friſchen hübſchen Geſicht und den lebhaften hellen Augen davongetragen; jetzt ſah er von dieſer allerliebſten Er⸗ ſcheinung nur noch einen traurigen Schatten. Eine geſpenſtige Mager⸗ keit, tiefe Furchen in dem jugendlich⸗alten Geſicht, die großen blauen Augen gläſern oder von einem fieberhaften Glanze leuchtend und ſtets mit dem ſtarren, frechen Blick, der deutlicher ſpricht, als eine lange Lebensbeſchreibung— die Bewegungen haſtig und fahrig, offen⸗ bar in der Abſicht, die innere Mattigkeit und Schlaffheit zu verdecken, die Rede vorlaut und über Alles mit derſelben ſouveränen Ober⸗ flächlichkeit weghuſchend— das ganze Weſen von einer krank⸗ haften Eitelkeit wie zerfreſſen— ſo oder ungefähr ſo erſchien Felir dem beſorgten Vater, trotzdem deſſen Menſchenfreundlichkeit 4*