Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Problematiſche Naturen.

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lich über ein Ereigniß, daß ſie ſeit Wochen erwartet hat, in ein obli⸗ gates Staunen geräth.“

„Sie ſind kühn, lieber Felix,“ ſagte die Baronin, der dieſe Me⸗ thode, auch beſonders der Koſtſpieligkeit wegen, nur halb gefiel.

„Wozu hätte ich denn ſonſt des Königs Rock ſo lange Jahre getragen?“ erwiederte Felix, ſeiner Tante galant die Hand küſſend.

Während deſſen von der Baronin und Felix ſo ruhig über He⸗ lenens Schickſal debattirt wurde, hatte zwiſchen dieſer und ihrem Vater ein Geſpräch ſtattgefunden, das die feingeſponnenen Pläne der Baronin und den vermeinlich raſchen Siegeslauf des jungen Ex⸗ Lieutenants auf eine gar eigenthümlich naive Weiſe durchkreuzte.

Der alte Baron liebte ſeine ſchöne Tochter mit aller Liebe, deren ſein braves Herz fähig war, liebte ſie um ſo mehr, als er über die Gerechtigkeit der Beſtimmungen, welche das junge Mädchen von dem Majoratsvermögen ausſchloſſen, von jeher nicht geringe Zweifel gehabt hatte. Dazu kam, daß er die Zurückſetzung, welche die Tochter von Seiten der Mutter bis dahin erfahren hatte, ſehr wohl empfand, wenn er auch zu ſchwach geweſen war, Maßregeln dagegen zu ergreifen, und vor allem der Hamburger Verbannung ein Ende zu machen. Auch dem Heirathsproject hatte er ſeine Zuſtimmung nur gegeben, weil ihm Anna⸗Maria eingeredet hatte, ſo könne die Ungleichmäßigkeit in dem Schickſal der beiden Kinder am beſten ausgeglichen werden, da Helene, als die Gattin Felix', nach Malte's etwaigem Tode, dann doch gewiſſermaßen zur Erbſchaft gelangte, wenigſtens in den vollen Genuß des Vermögens käme. Aber auch hier hatte er Helenens voll⸗ kommen freie Zuſtimmung als unumgängliche Bedingung ſtipulirt, wogegen er ſich wieder verpflichtet hatte, die Leitung der Angelegen⸗ heit den geſchickten Händen ſeiner Gemahlin zu überlaſſen und vor allem ſich vor einer vorzeitigen Enthüllung des Planes in Acht zu nehmen.

Nun aber hatten die Eindrücke der letzten Zeit an dieſen Vor⸗ ſätzen und Entſchlüſſen arg gerüttelt. Zuerſt war ihm in Hamburg, als ihn ein plötzlicher Fieberanfall auf das Krankenlager warf, der Gedanke gekommen, er könnte in nächſter Zeit ſterben und Helene dann ganz verlaſſen daſtehen, ohne ſeinen Rath, ohne ſein Veto, das er, im