Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Problematiſche Naturen.

Wie lange hat es gedauert, bis ſelbſt wir nur die allergrößten Hinderniſſe aus dem Wege geräumt hatten! und von einer wirklichen Beherrſchung der Situation können wir erſt in ein paar Jahren ſpre⸗ chen, wenn Stantow und Bärwalde uns hoffentlich nicht mehr länger vorenthalten werden können und die übrigen Güter in neuen und, ich denke, beſſeren Pacht kommen. Sie ſollten Ihre Güter auch neu vermeſſen laſſen, lieber Felix. Sie finden in Timm einen fleißigen und geſchickten Arbeiter. Ich bin ganz überraſcht, daß Sie den jun⸗ gen Mann ſchon von früher her kennen; von der Cadettenſchule, nicht wahr?“

„Ja, liebe Tante; er war ein großer—“

„Liebling— ich glaube es gern; iſt er es doch auch hier bei uns Allen.“

„Das wollte ich nun eigentlich nicht ſagen,“ verſetzte Felix lachend;„indeſſen man hatte ihn allerdings im Allgemeinen ſehr gern. Er war der unermüdlichſte Spaßmacher; und wenn es ſich um einen Genieſtreich handelte, ſo ſtand er ſicher an der Spitze. Indeſſen, man thut gut, ihm den Daumen etwas auf's Auge zu halten; er gehört zu den Leuten, die, wenn man ihnen den kleinen Finger giebt, die ganze Hand nehmen.“

„In der That!“ ſagte Anna⸗Maria, die Augenbrauen in die Höhe ziehend;„ich habe den jungen Menſchen bis jetzt ſtets für die Beſcheidenheit ſelbſt gehalten; für viel beſcheidener, als z. B. unſern Herrn Stein.“

„Wirklich?“ meinte Felir;„ich hätte nun gerade gedacht, daß Herr Stein ſich ſeiner Stellung vollkommen bewußt iſt.

„Nun, Sie werden ihn noch näher kennen lernen. Er iſt einer der arroganteſten Menſchen ſeines Standes, die mir je vorgekom⸗ men ſind.“

„Wir wollen ihm das austreiben,“ ſagte Felir, ſeinen äußerſt winzigen Schnurrbart drehend;„mit ſolchen Leuten muß man kurzen Proceß machen. Ich kenne das. Dieſe Bürgerlichen ſind ſich alle gleich. Sobald ſie merken, daß wir ſein wollen, was wir von Rechts⸗ wegen ſind— die Herren im Staat und im Haus— kriechen Sie zu Kreuz. Sie werden nur übermüthig durch unſere Schuld. Man