Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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40 Problematiſche Naturen.

Wolken aus ſeiner Cigarre blaſend;„ohne Zweifel derſelbe, welcher in der Erzählung der Alten als Schacherjude wieder auftritt, um das Terrain vorläufig zu recognosciren, und hernach die Entführung der bedrängten Unſchuld bewerkſtelligt. Ich fürchte, es ſind hier einige Briefe verloren gegangen, denn als der nächſtfolgende geſchrieben, wurde, waren die Affairen ſchon ſehr weit gediehen.

Nr. 9. So eben erhalte ich den— was ſoll ich es verſchweigen!— längſt erwarteten Brief Ihrer Frau Tante. Sie ſchreibt mir mit zitternder, aber doch leſerlicher Hand, daß ſie das Lebensglück ihres geliebten Großneffen höher ſtelle, als die Ruhe der wenigen Tage, die ſie noch zu leben habe; ja, daß ſie ſich freue, eine ſo dringende Ver⸗ anlaſſung zu haben, nach dem Stammſitz ihrer Väter, dem Orte ihrer Geburt, wo ſie denn nun auch zu ſterben gedenke, eine Reiſe, die letzte vor der großen Reiſe, anzutreten. Sie werde am 13. von St. abreiſen, und bereits vor mir in Grenwitz angekommen ſein,„da Sie ein téte-Ktéte mit meinem wilden Neffen ſo ſehr fürchten, liebes Kind“.. Ich kann nicht ſagen, wie unausſprechlich mich ſo viel Güte und Liebe rührt! wie dankbar ich der alten herrlichen Dame bin, wie ich mich freue, ihr die welken, lieben Hände zu küſſen! Ja, Harald, wenn ſie, die Greiſin, die Aelteſte Deines ritterlichen Geſchlechts mich Deiner würdig gefunden hat, wenn ſie unſere Liebe ſegnet, dann will ich mit tauſend Freuden die Deine ſein. Nur eines ſchmerzt mich, daß ich mich bei Nacht und Nebel wie ein Dieb von hier, von der Frau, die ich wie eine Mutter liebe, von dem Manne, der mir Vater und Bruder geweſen iſt, fortſchleichen ſoll. Und doch— es geht nicht anders. Du haſt recht: ſie würden mir den Abſchied nur noch ſchwerer machen; ſie würden das Ganze ein romantiſches Abenteuer ſchelten. Sie kennen Dich ja nicht, Sie wiſſen ja nicht, wie treu und gut Du biſt. Aber Lebewohl darf ich ihnen doch wenigſtens ſchriftlich ſagen! ihnen in ein paar Worten für alle Güte und Liebe danken und ſie

über den Schmerz, den ich ihnen jetzt bereiten muß, auf eine fröhliche

Zukunft vertröſten. Ach, wäre dieſe Zukunft doch erſt Gegenwart! Ihr neuer Kammerdiener, der mir übrigens viel weniger gefällt, als der alte mit dem treuen, ehrlichen Geſicht, meldete mir geſtern Abend, 7 vaß alle Vorbereitungen auf übermorgen früh getroffen ſeien. Es iſt