Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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36 Problematiſche Naturen.

an einem der lebhafteſten Punkte der Stadt und zu einer Zeit, wo die Straßen noch von Fußgängern ſchwärmten, ſtatt. Sie wollen mir die Gründe, die Sie beſtimmen, meinen Wunſch,„ſo ſchmerzlich es Ihnen auch ſei,“ nicht zu erfüllen, ſelbſt ſagen, und Sie ſchwören mir, ich werde dieſe Gründe, wenn ich ſie erfahren, billigen. Sind Sie deſſen ſo gewiß!— Aber freilich, Sie ſind der Geber— ich die Empfängerin— ich muß mich wohl Ihren Wünſchen fügen; daß Sie mich täuſchen wollten, will ich, kann ich nicht denken. Sie ſind einmal ſo großmüthig gegen Arme und Hülflofe geweſen, Sie können das andere Mal gegen ein armes, hülfloſes Mädchen nicht ſo un⸗ großmüthig ſein. M. M.

Nr. 5. Herr Baron! Nochmals meinen innigſten, herzlichſten Dank! Dank auch für die Zartheit, mit welcher Sie Alles eingeleitet hatten! Wie bitter Unrecht habe ich Ihnen gethan? Aber konnte ich ahnen, daß Sie mich mit dem Herrn Obriſten von St. Cyr ſelbſt be⸗ kannt machen würden? daß ich aus dem Munde dieſes Veteranen in meiner geliebten Mutterſprache den Heldentod meines Vaters ſollte erzählen hören? Sie wollten nicht, daß der Obriſt die Tochter eines Helden, den letzten Sproß einer einſt reich begüterten, angeſehenen Familie in ſo dürftigen Verhältniſſen fände; Sie wollten mir die Verlegenheit erſparen, den Grafen von St. Cyr und den Baron von Grenwitz in einer Dachkammer zu empfangen. Sie zogen es vor, mich als Erzieherin in einer Ihnen nahe verwandten Familie vorzuſtellen— und es war am Ende recht und billig, daß ich in Ihrer Geſellſchaft den kranken und von der Reiſe angegriffenen alten Herrn in ſeinem Hotel aufſuchte. Nochmals vielen, vielen Dank! auch dafür, daß Sie auf dem langen Rückweg vom Hotel bis zu meiner Wohnung den friſchen Schmerz durch ein Schweigen ehrten, das Ihnen bei Ihrem lebhaften Naturell gewiß nicht leicht geworden iſt. Wodurch habe ich denn nur das Intereſſe, welches Sie an meinem Schickſal nehmen verdient? Ich bin doch wahrlich recht unartig und unfreundlich deg Sie geweſen! Sie fragten mich zuletzt, ob ich jetzt glaube, daß Sie es gut mit mir meinen? Dieſer Brief mag Ihnen darauf Antwort geben. Sie verlaſſen morgen die Stadt— reiſen Sie glücklich,

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