30 Problematiſche Naturen.
bemerken kann;— der Eine heißt Stein, der Andere Timm— das iſt doch im Grunde Alles,“
„Du haſt Recht, liebe Tochter,“ ſagte die Baronin.„Dieſe Leute ſind Statiſten, man ſieht ſie nur, wenn die handelnden Perſonen einmal abgetreten ſind. Glücklicherweiſe kann ich Dir in allernächſter Zukunft eine andere und beſſere Geſellſchaft verſprechen.“
„Und die wäre?“
„Dein Coufin Felix. Ich erhielt ſo eben einen Brief von ihm — der Poſtbote iſt noch draußen in der Küche, Du kannſt ihm einen Brief mitgeben, wenn Du vielleicht ein paar Zeilen nach Hamburg ſchreiben willſt— er meldet uns ſeinen Beſuch auf morgen oder übermorgen an. Aber war das nicht Deines Vaters Stimme? Adien, liebes Kind; mache Dich zurecht, wir wollen etwas früher eſſen und dann noch eine Viſite bei Plüggens machen.“
Die Baronin küßte ihre Tochter auf die Stirn und verließ das Zimmer. Fräulein Helene holte eilig den auf die Seite geſchobenen Brief wieder hervor, um noch dazu zu ſchreiben:„Mama, die mich ſoeben verläßt, iſt doch wirklich ſehr gut und freundlich zu mir. Sie kündigte mir einen Beſuch an: Couſin Felir(der Lieutenant). Es wird wohl durch ihn etwas mehr Leben nach Grenwitz kommen, denn auf Herrn Stein ſcheint man nicht mehr rechnen zu können. Er ſteht noch immer am Brunnen. Adieu, dearest, dearest Mary!“
Fünſtes Capitel.
Wer ſich für Albert Timm ſpecieller intereſſirte, konnte bemerken, daß dieſem Herrn in den letzten Tagen irgend etwas Beſonderes zu⸗ geſtoßen ſein mußte. Zwar ließen ſich der ſchwarze Frack, den er jetzt beſtändig trug, die größere Sorgfalt, die er auf ſeine Toilette verwandte, und andere mit ſeinem äußeren Menſchen geſchehene Ver⸗ änderungen füglich durch die Anweſenheit Fräulein Helene's und die gehobenere Stimmung, welche durch dieſelbe in die Geſellſchaft auf Schloß Grenwitz gekommen war, erklären, aber wie ſollte man den


