Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 25

Fliegen haſchend, habe dann jedesmal die Hand geöffnet, hineinge⸗ ſchaut und triumphirend gerufen: Nichts, meine Herren, ſehen Sie, nichts und wieder nichts!

Der Bekannte ſchloß den Brief mit der Mittheilung, daß Pro⸗ feſſor Berger ſogleich am folgenden Tage auf den Rath ſeiner Aerzte nach N. in die berühmte Heilanſtalt des Doctor Birkenhain trans⸗ portirt ſei; er habe Alles gutwillig mit ſich geſchehen laſſen, nachdem man ihm vorgeredet: man wolle ihm das große Ur⸗Nichts zeigen..

Oswald war durch den Inhalt dieſes Briefes tief erſchüttert. Er hatte in Berger ſeinen Freund geliebt und geehrt; er hatte ſich des wunderlichen Mannes Liebe in hohem Grade erworben; er hatte tiefere Blicke, als wohl irgend Jemand ſonſt, in dieſen unendlich rei⸗ chen Geiſt gethan. Wie oft hatte er dem Außerordentlichen mit ent⸗ zücktem Schweigen zugehört, wenn dieſer von einem ſcharfſinnigen und genau formulirten Satze ausgehend, plötzlich aus dem Gebiete der Logik in eine Welt gerieth, die ſich ihm nur durch eine höhere Intuition erſchließen konnte, und nun Traum an Traum und Geſicht an Geſicht reihte, ſo phantaſtiſch, ſo märchenhaft, aber auch ſo himm⸗ liſch ſchön und rein, daß Oswald alles Andere darüber vergaß und leibhaftig in dieſer Fata Morgana umherzuwandeln glaubte, bis der Magier mit einem Worte höhnenden Schmerzes und wilder Verzweif⸗ lung die köſtliche Spiegelung verſinken ließ! Und nun war dieſer reiche edle Geiſt zerſtört! und dieſe hohe Intelligenz in des Wahn⸗ ſinns öde Nacht verſunken!... Oswald erſchien dies ſo ungeheuer, ſo unfaßbar, daß ihm war, als ſei die Welt aus den Fugen gegan⸗ gen: als müſſe jetzt, nachdem dieſe erhabene Säule geſtürzt, Alles in grauſe Trümmer zerfallen. Wenn vies geſchehen konnte, was war dann noch unmöglich? Dann war ja auch wohl Freundſchaft ein Märchen und Liebe eine Fabel dann mochte ja auch wohl etwas mehr hinter dem Zufall zu ſuchen ſein, der ihn heute Morgen den augenblicklichen Aufenthaltsort Oldenburgs verrieth. Als Oswald nämlich einen Blick auf die Aufſchriften der Briefe warf, welche der Poſtbote aus ſeiner Taſche genommen hatte und durch die Hand laufen ließ, um den für Oswald beſtimmten herauszuſuchen, fiel ihm einer auf, auf welchem die Adreſſe offenbar von Oldenburg's höchſt