Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 23

nie zu dieſer Erkenntniß! Der Preis iſt ungeheuer! aber, aber Du wirſt ihn doch bezahlen müſſen. Leb wohl, Melitta! verzeihe, daß ich Dir weh gethan habe; es wird nicht wieder geſchehen: es iſt das erſte, und es iſt das letzte Mal, daß ich ſo zu Dir geredet. Leb wohl, Melitta! Melitta, haſt Du kein freundliches Wort zum Abſchied für mich?

Melitta hatte das Geſicht in die Hände gedrückt; bei der Däm⸗ merung, die in dem Gemache herrſchte, waren nur noch eben die

Umriſſe ihrer Geſtalt zu erkennen. Sie wollte, oder konnte nicht

antworten.

Der Baron hielt ſeine beiden Hände über das ſchöne gebeugte Haupt.

Gott ſegne Dich, Melitta! ſagte er, und die Stimme des ſtolzen, harten Mannes klang weich und mild wie eines Vaters Stimme.

Als Melitta die Thür ſich hinter dem Baron ſchließen hörte, ſprang ſie von dem Stuhle auf, und that raſch einige Schritte, als wollte ſie ihn zurückrufen. Aber mitten im Zimmer blieb ſie wieder ſtehen.

Nein, nein! murmelte ſie,es iſt beſſer ſo, ich darf ihm keinen Schimmer von Hoffnung laſſen.

Sie ging langſam wieder zu ihrem Stuhl zurück. Sie ſetzte ſich wigger, ſie bedeckte wieder das Geſicht mit den Händen. Und nun brächg die lange zurückgehaltenen Thränen in Strömen aus ihren Ich weiß es ja, daß es ſo kommen wird; murmelte ſie; halb den kurzen Traum des Glücks ſo grauſam ſtören!

viertes Capitel.

Der Poſtbote, welcher am Abend den Brief Helene's nach der Stadt trug, war am Morgen deſſelben Tages ſchon einmal dageweſen. Er hatte Oswald ein Schreiben aus Grünwald von einem ſeiner dortigen Bekannten gebracht, der auch zu gleicher Zeit einer von den