Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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dann zerſchmettert am Boden liegſt und nicht mehr leben magſt und

Problematiſche Naturen.

Oldenburg! Er iſt kein Unwürdiger, aber ich bin Dein Freund, Melitta! er iſt Deiner auch nicht würdig. Er hat viele große und ſchöne

Eigenſchaften, ich weiß es wohl; aber ſein Charakter iſt noch nicht im

dreimal heiligen Feuer des Unglücks geſtählt, und ſo weiß er auch das Glück noch nicht zu ſchätzen. Er hat eine unendliche Empfänglichkeit für Alles, was ſchön und anmuthig iſt, und deshalb betet er Dich an; aber, weil er ſeiner Natur nach eben für Alles empfänglich iſt, wird es ihm unendlich ſchwer, nicht über dem Anmuthigeren und Schöneren das Schöne und Anmuthige zu vergeſſen; das heißt: treu zu ſein. Er iſt ein Dichter, und eines Dichters Liebe i s Ideal. Er wird das köſtlichſte Gefäß verächtlich bei Seite ſchie ei ſein feines Auge doch irgendwo einen Flecken daran bemerkt h er wird Alles, was ihm die Erde bietet, gierig ergreifen und verichtichwieder fort⸗ werfen, weil es eben irdiſch, weil es, und wäre es noch ſo n doch immer mit einem Erdenreſt behaftet iſt.

Sie ſagen mir nichts, Oldenburg, was ich mir nicht dert und tauſendmal ſelbſt geſagt hätte.

Ich weiß es. Die Beurtheilung ſolcher Naturen tun Ihne nicht ſchwer werden, denn auch Sie ſind dieſem Dämon unterthan. Aber Sie ſind ein Weib, und über euch hat der Dämon nicht, wie über uns, unbedingte Gewalt. Ihr, und wenn ihr euch auch noch ſo ſehr ſträubt, laßt euch zuletzt doch in der Liebe Feſſeln ſchlagen und ſeid ſtolz auf dieſe Feſſeln; der Mann, und wenn er im Anfang noch ſo ſehr mit dem neuen Schmucke prunkt, ſchleudert ihn zuletzt doch von ſich. Und ſo wird es geſchehen.

Nein, nein!

Ja, Melitta; es wird geſchehen und jetzt weiß ich auch, welches dieſes Unglück iſt, das ich über Deinem theuren Haupte wie eine finſtere Wetterwolke ſchweben ſah. Glaube es mir, der Schlag wird über kurz oder lang auf Dich niederſchmettern, und wenn Du

doch nicht ſterben kannſt dann, Melitta, dann vielleicht wirſt Du die Qualen begreifen, die ich erduldet; dann wirſt Du mir im Herzen das Unrecht abbitten, das Du mir gethan! Wollte Gott, Du kämeſt