Dritter Band. 21
diefer Leidenſchaft zu vergeſſen, ſo habe ich dieſe Thorheit ſchwer genug gebüßt. Wußte ich doch ſchon als Knabe, daß Du Dein Pferd und Deinen Hund lieber hatteſt, als mich; und doch bezwang ich den ſchwer verletzten Stolz, und doch demüthigte ich mich wieder und immer wieder vor Dir; ich, der ich nie in meinem Leben eine Bitte über die Lippen bringen konnte!“
Der Baron ſetzte ſeine ruheloſe Wanderung durch das Zimmer wieder eine Zeit lang ſchweigend fort, dann blieb er abermals vor
Melitta ſtehen und ſagte:
„Ich habe mich noch tiefer gedemüthigt. Ich habe geſehen, daß das Weib, nach der ſich meine Seele ſehnt, wie der Gekreuzigte nach einem Labetrunk, von einem Andern geliebt wird; habe geſehen, daß ſie dieſen Andern wieder liebt mit jener Liebe, um die ich Gott auf meinen Knieen tauſend und tauſendmal mit heißen Thränen gebeten
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habe— und habe nicht mit der Wimper gezuckt; ich habe der Schlange
Eiferſucht den Kopf zertreten— ja, und mehr! ich habe redlich ver⸗ ſucht, dieſen Glücklichen nicht zu haſſen, ich bin ihm entgegengekom⸗
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men mit Gruß und Handſchlag, ich habe mir ſein Vertrauen, ſeine Liebe zu erwerben geſucht, nicht um zum Verräther an ihm und an Dir zu werden, ſondern weil ich fühlte, daß mir Dein Glück theurer war, als Alles, und daß der, welchen Du liebteſt, auch von mir ge⸗ liebt werden oder von meiner Hand ſterben müſſe.“
„Sie ſind fürchterlich, Oldenburg!“ rief Melitta, ſich halb vom Stuhle erhebend;„ſoll denn nicht der geheimſte Winkel meines Her⸗ zens vor Ihnen verborgen bleiben?“
„Ich bin nicht fürchterlich,“ ſagte der Baron;„ich bin nur un⸗ bequem; das iſt das Recht des Freundes. Glaube nicht, daß ich mich auf krummem Wege in Dein Geheimniß geſtohlen habe! Ich habe nur die Augen nicht geſchloſſen, das iſt Alles. Oder glaubſt Du, man lerne nicht zuletzt die leiſeſte Regung in einem Geſicht ver⸗ ſtehen, das man ſtets im Wachen und ach, wie oft im Traume! vor ſich ſieht? Und dann, wenn man die Hoffnung, je geliebt zu werden, aufgegeben hat, ſo will man wenigſtens die Ueberzeugung haben, daß derjenige welchem dieſes Glück zu Theil wird, auch kein Un⸗ würdiger iſt.“


