Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 19

Haben Sie immer geglaubt, daß ich Ihr Freund ſei, Melitta?

Haben Sie je geglaubt, daß ich Sie liebe?

Melitta ſchwieg.

Nie? zu keiner Zeit? fragte der Baron mit dumpfer Stimme.

Laſſen Sie das Vergangene vergangen ſein!

Nein, Melitta, laſſen Sie uns davon ſprechen. Ich finde ja eine Gelegenheit wie dieſe vielleicht nicht zum zweiten Mal im Leben wieder; nein, nein! Denn das alte gute Verhältniß zwiſchen uns iſt todt, ſeitdem ich unſinnig genug war, Ihnen zu zeigen, daß ich Sie liebte und über dieſen Schlund, der da zwiſchen uns aufklaffte, giebt es keine Brücke. Für den Augenblick hat uns die Noth zuſam⸗ mengeführt; ſobald ich aus dieſem Zimmer gehe, ſind wir uns wieder Fremde. Melitta, um unſerer alten Freundſchaft willen, bei der Erinnerung an die gemeinſam verlebte ſelige Jugendzeit, ſagen Sie mir, haben Sie nie geglaubt, daß ich Sie liebte?

Ich weiß es nicht

Das iſt hart, ſagte der Baron leiſe;das iſt hart. Er ließ ſich auf einen Stuhl ſinken, ſtützte den Arm auf die Lehne und ver⸗ barg ſein Geſicht in der Hand.

Er ſtand wieder auf, ging, die Arme über der Bruſt kreuzend, mit langen Schritten in dem Gemache auf und ab und ſprach, als ob er mit ſich ſelbſt redete:Was beklagen ſich denn die Menſchen, die lieben und wieder geliebt werden, wenn ſie, ſo oder ſo, um ihre Hoffnungen betrogen wurden? oder die, welche lieben, und wenn ihre Leidenſchaft auch nicht erwiedert wird, doch wenigſtens den Troſt haben, daß man ihren Kummer ehrt, daß man Mitleid mit ihren Qualen hat? Nein lieben, lieben, wie nur ein Erdenſohn lieben kann, mit allen Kräften ſeiner Seele, mit jedem Blutstropfen in ſeinen Adern, und dann erfahren nicht, daß man uns nicht wieder liebt pah, was das iſt! nein, erfahren, daß man uns für einen Lügner hält, für einen Spaßmacher, einen Schäker ha, ha, ha! das iſt das Wahre! das iſt ein Labſal, wie es Teufel armen Gefol⸗ terten in den lechzenden Mund träufeln...

Und wenn ich nicht an Ihre Liebe glaube, wer iſt denn ſchuld