Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Dritter Band. 13

Augen keine Gnade finden ſollte und dieſer Fall war zum Min⸗ deſten nicht unmöglich durch Einſchüchterung, durch Gewaltmaß⸗ regeln nichts ausgerichtet werden könnte, und daß Güte nicht nur der ſicherſte, ſondern auch der einzige Weg ſei. So war ſie denn gütig, nach ihren Begriffen äußerſt gütig gegen die ſchöne Tochter, und damit die Andern nicht merkten, worauf dies Alles hinausging, oder auch nur um in der Uebung zu bleiben, war ſie es gegen dieſe

auch. Seltſamerweiſe indeſſen ſchien gerade die, für welche dieſe

Gnadenſonne leuchtete, am wenigſten dadurch erwärmt zu werden. Helene veränderte ihre ruhig abgemeſſene Haltung, ihr höflich kühles Weſen auch nicht im Mindeſten: die von der Baronin ſtets ſo gerühmte Penſion hatte in der Erziehung Fräulein Helene's offenbar ein Meiſter⸗ ſtück geliefert.

Und dennoch war dieſes junge Herz, das ſo kalt, ſo unzugänglich ſchien, warmer Gefühle wohl fähig. Sie hatte, als ſie von ihren Freundinnen und der hochverehrten Lehrerin Abſchied nahm, heiße Thränen geweint, die ſie freilich, als die Mutter eine Bemerkung darüber machte, ſofort trocknete; ſie erwies dem Vater manche Auf⸗ merkſamkeiten, auf welche die bloße Höflichkeit nie verfällt; ſie konnte ein armes Kind nicht bloß beſchenken, ſondern auch an die Hand nehmen und freundlich mit ihm ſprechen. Ihre Freundinnen, deren ſie allerdings nur immer ſehr wenige beſaß, hatten niemals Urſache gehabt, über Liebloſigkeit von Seiten Helene's zu klagen; und die Briefe, die ſie von Grenwitz aus nach Hamburg ſchrieb, waren der Beweis, daß ſie wenigſtens gegen die, welche ſie liebte, weder kalt noch verſchloſſen war. So ſchrieb ſie unter Anderem an Mary Bur⸗ ton, eine junge ſchöne Engländerin, die ſie von allen Freundinnen am meiſten liebte und die einen groſten Einfluß auf ſie ausgeübt hatte:

Doch das ſind tempi passati, meine gute Mary? ich muß nun lernen, mich an der Muſik zu ergötzen, ohne ſie zuſammen mit Dir zu hören, und eine Geſellſchaft erträglich zu finden, in der ich nicht Dei⸗ nen holden Augen begegne. Bis jetzt freilich fehlſt Du mir überall, und auch die Andern; bis jetzt halte ich es nur für eine Möglichkeit

auch ohne Euch froh ſein zu können. Glaube indeſſen nicht, daß man